Lernen & Lehren

Twitter-Einstieg für Lehrer

Lehrer Lämpel + Twitterlogo

Ich nutze Twitter seit einigen Monaten beruflich und finde es nach wie vor nützlich. Einigen Kollegen habe ich bereits davon erzählt, doch der Einstieg in die produktive Nutzung ist mündlich schwierig zu vermitteln. Daher möchte ich hier knapp die wichtigsten Punkte erläutern. Dieser Beitrag ist damit vor allem meinen geschätzten Kollegen Lei, Lil, Sla und Vie gewidmet.

Wer mehr als die folgende Darstellung lesen möchte, findet in meinen delicious-Bookmarks zu Twitter weiteres Material.

1. Was bringt mir Twitter?

Ich habe einige Eindrücke bereits dargestellt: Twitter ist die Lösung. Am wichtigsten sind mir:

  • Hinweise auf gute Materialien und Tools (meist) im Web.
  • Hinweise auf interessante pädagogische Artikel und Diskussionen (teilweise werden die Diskussionen auch direkt in Twitter geführt).
  • Inspirierende Ideen und Gedanken von Kollegen, deren Arbeit ich schätze.

Diese Aspekte werden auch im Beitrag Top-Tweets angesprochen.

Kurz gesagt ist Twitter für mich (momentan) Materialbörse und Plattform für meine andauernde, informelle „Fortbildung 2.0“. Ich habe mir in den letzten Wochen, in denen ich Twitter nutze, mehr Gedanken über grundlegende pädagogische Fragen gemacht als jemals zuvor – einfach weil ich immer wieder auf anregende Blog-Beiträge stoße, über die ich dann nachdenken und/oder schreiben möchte.

2. Was muss ich investieren?

Zeit. Je nach Gusto und Selbstdisziplin zwischen 15 Minuten pro Woche und n Minuten pro Tag. Ich sehe das als fortwährende Investition in die Weiterentwicklung meiner Arbeit und empfinde es daher nicht als Zeitverschwendung – your mileage may vary.

3. Wo fange ich an?

Zunächst braucht man nur einen Twitter-Account.

4. Wie geht’s weiter?

Man kann nur mit dem Twitter-Account und der Twitter-Website anfangen. Allerdings wird das bald ziemlich mühsam und – da man dann nur selbst schreibt – etwas eintönig. Daher lohnt es sich, noch einige weitere Punkte zu beachten.

Die richtigen Leute im Netzwerk — Twitter zeigt in der „Timeline“ die eigenen Tweets sowie die Tweets der Leute an, denen man „followt“. Die Qualität und Sinnhaftigkeit von Twitter hängt fast ausschließlich davon ab, wem man followt. Hat man eine Anzahl Leute, die regelmäßig relevante Beiträge oder interessante Ideen posten, ergibt sich oft ein reger Austausch. Wenn dem so ist, entwickelt sich Twitter tatsächlich zur Plattform für ein „personal learning network“ (PLN).
Für Lehrer mit der oben von mir benannten Zielsetzung würde ich für den Start folgende Leute empfehlen (Nennung in keiner bestimmten Reihenfolge. Das sind bewusst nicht alles Lehrer – man möchte ja auch ein erfrischendes Zufallselement zur Inspiration dabei haben)

Für alle gilt: eine Twitter-Followerschaft ist keine Freundschaft fürs Leben. Wenn jemand nur Dinge twittert, die für mich nicht relevant sind, „entfollowe“ ich eben wieder.

Wer noch mehr Leuten followen und diese nach Fächern auswählen möchte, wird in verschiedenen Listen und Verzeichnissen fündig:

Twitter vom Desktop aus — Besser als über die Website kann man mit einem Desktop-Programm für Twitter „tweeten“ und lesen.

  • Für Windows empfehlen die meisten Leute, die ich bisher gefragt habe, Tweetdeck.
  • Für den Mac kann ich Tweetie empfehlen (das kostet zwar offiziell knapp $20, läuft aber ohne Einschränkung auch kostenlos. Man bekommt dann alle paar Tweets eine Werbeanzeige – die ich nicht störend finde – und hin und wieder beim Starten den Hinweis, man möge das Programm registrieren).
  • Für das iPhone/iPod Touch kann ich Birdfeed empfehlen (Birdfeed im iTunes Store).

5. Was muss ich sonst noch wissen?

Retweets — Zunächst bietet es sich an, einfach die Tweets der anderen zu lesen. Wenn ein interessanter Beitrag dabei ist, kann man diesen „retweeten“. Das heißt, man veröffentlicht den Beitrag erneut, wobei man „RT“ (für „retweet“) und den Benutzernamen des Original-Autors davor setzt (so wie in diesem Beispiel — die o.g. Twitter-Programme machen das automatisch, wenn man die „Retweet“ Funktion klickt). Retweets machen Sinn, weil jeder Twitter-Benutzer nur die Beiträge von Leuten sieht, denen er followt und man per RT sicherstellt, dass die „eigenen Leute“ den interessanten Beitrag mitbekommen.

URL Shortening — Da Twitter nur 140 Zeichen erlaubt, werden Links (URLs) automatisch mit einem Service bearbeitet, der sie kürzer macht und beim Aufrufen dann an die ursprüngliche Adresse weiter leitet. Der von Twitter standardmäßig verwendete Dienst ist bit.ly Die oben genannten Programme benutzen evtl. andere Dienste. Das lässt sich aber einstellen.

Follow Friday — Es hat sich der so genannte „follow friday“ eingebürgert. Immer freitags posten die Leute Tipps, wem aus ihrem Netzwerk man folgen könnte. Das ist eine gute Quelle für neue Leute im Netzwerk. Diese Posts erkennt man daran, dass sie viele Benutzernamen enthalten sowie das so genannte hashtag #ff oder #followfriday.

Hashtags sind eine Möglichkeit, einem Tweet ein „Schlagwort“ zu geben. Damit lassen sich in manchen Twitter-Programmen dann gezielte Suchen zu einem Thema durchführen. Man macht ein Wort zum hashtag indem man ein Raute-Zeichen davorschreibt wie in diesem Beispiel.

Overload? Abschalten nicht vergessen. — Twitter kann ziemlich rasch eine Menge ‚Input Stream‘ erzeugen. Dabei gibt es natürlich neben relevanten Tweets auch eine Menge Rauschen. Ein wichtiger Grundsatz ist für mich, nicht alles lesen zu wollen. Wenn ich keine Zeit habe, bleibt Tweetie aus und beim nächsten Start wird alles Alte als gelesen markiert – Don’t look back. Niemand postet Lebenswichtiges auf Twitter. Und wenn doch, bekommt es so viele Retweets, dass man es dennoch mitbekommt.

6. Soll ich das wirklich machen?

Klar – einfach ausprobieren. Gelöscht ist der Account gleich wieder. Viel Spaß.

06. September 2009Stichwörter: , , , , , , , , , , , ,
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Kommentare Kommentar-Feed zu diesem Beitrag

Thorsten S. schrieb am 7 September 2009, 08:25 h    # 

Moin Andreas!

Ich denke, dass es am Anfang sehr wichtig ist genügend Follower zu „abonieren“, die die gleichen Interessen haben. Daher noch eine kleine Linkempfehlung von mir: twittgroups.com/grou… und für Physiklehrer: twittgroups.com/grou… . Wenn man ganz nach unten scrollt findet man die twitternden Lehrer, die sich in die jeweilige „Twittergroup“ eingetragen haben.

Freundlich grüßt
Thorsten S.

Andreas Kalt schrieb am 7 September 2009, 08:52 h    # 

Danke für die Ergänzungen.

Melanie schrieb am 7 September 2009, 12:39 h    # 

Großes Lob an diesen Beitrag! Du sprichst mir aus der Seele. Ich hatte das gestern im Interview der Bildungsexpedition schon anklingen lassen, dass Twitter eher ein Informationsmedium ist als eine Plattform für privaten Austausch. Aber jeder nutzt Twitter natürlich anders. Ich nutze es grundsätzlich auch so wie du! Man bekommt viel Input und kann auch ganz ungeniert Fragen stellen und bekommt qualitativ wertvolle Antworten. Ich hoffe, dass dieser Beitrag viele Leser bekommt. Ich werde diesen Link auf jeden Fall an meine Kommilitonen weiterleiten, die vom Web2.0 noch weit entfernt sind, aber auch oft auf Materialsuche für den Unterricht sind. Vielleicht lassen sie sich ja so für Twitter begeistern – als Einstieg in die „NeueMedien-Welt“

Andreas Sander schrieb am 7 September 2009, 14:06 h    # 

Hallo Andreas,
das ist ein super Beitrag und ich hoffe viele Lehrer/innen werden ihn lesen!

Ich stimme Thorsten zu: Am Anfang ist es sicherlich besser, wenn man zunächst mal alle Twitterern followt, die interessant erscheinen. Im Nachhinein kann man immernoch entfollowen.

Neben der „Materialbörse“ sehe ich Twitter auch noch als prima Möglichkeit Gespräche und Diskussionen zu starten, um sie dann evtl. auf einem Forum oder einer Communityseite zu bündeln.

LG Andreas ;-)

Lisa Rosa schrieb am 7 September 2009, 14:08 h    # 

Super! Ich sehe es genauso: Twitter ist „Materialbörse und Plattform für „Fortbildung 2.0““ oder das Medium zur (Selbst-)Bildung von Praxislerngemeinschaften. Der Beitrag ist v.a. geeignet, den aufmerksam gewordenen, aber immer noch skeptischen Interessierten auf die Sprünge zu helfen! Danke auch für die Linksammlung, in der ich noch viele neue (v.a. englischsprachige) gefunden habe, die ich in meine „Lerngemeinschaft“ aufgenommen habe.

Werner Prüher schrieb am 8 September 2009, 13:57 h    # 

Hallo Andreas,

danke für den Beitrag! Meine Kolleginnen werden ihn übernächste Woche in einer schul-internen-Lehrerfortbildung gut nützen können.

lg
Werner

Jean-Pol Martin schrieb am 12 September 2009, 21:07 h    # 

Ich schließe mich an. Deinen Beitrag werde ich weiter empfehlen.

Stefan schrieb am 15 September 2009, 23:42 h    # 

Lieber Andreas,

Sehr guter Beitrag, der einfach und verständlich einen Überblick gibt.

Ich werde ihn im Kollegium weiterempfehlen.

Danke!

Gruß,
Stefan

Coaching Netzwerk schrieb am 24 September 2009, 13:56 h    # 

Ich finde gerade Lehrer sollten sich mit modernen Medien wie zum Beispiel Twitter auskennen, da ein Großteil der Schüler bereits „Twittert“.
Zudem ist es eine sehr praktische Alternative zur schnellen Informationsgewinnung und Weitergabe, die von überall aus durchgeführt werden kann.
Twitter wird besonders in naher Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen.

Andreas Kalt schrieb am 24 September 2009, 16:33 h    # 

@Coaching Netzwerk.

Danke für Deinen Beitrag. Ich bin mit Dir einer Meinung, dass Lehrer sich mir Medien auskennen sollten. Allerdings ist es bisher NICHT der Fall, dass viele Schüler twittern.

Christian Spannagel schrieb am 27 September 2009, 11:28 h    # 

Vielen Dank für diesen schönen zusammenfassenden Einführungsbeitrag! Ich werde ihn jedem Einsteiger weiterempfehlen.

Sla schrieb am 28 September 2009, 18:30 h    # 

Danke für die Widmung!
Jetzt kanns losgehen…
LG, S.

Fontanefan schrieb am 29 September 2009, 23:19 h    # 

Auch von mir Dank für den Beitrag! Twitter ist m.E. weniger ein Instrument für die Arbeit mit Schülern als für Materialsuche im Netz.
Aber auch zur Pflege von Kontakten mit Bekannten, denen man nicht alles mailen kann.

Marco schrieb am 30 Oktober 2009, 21:39 h    # 

Hallo Andreas,
feiner Artikel, nicht nur für Twitter-Einsteiger!
Kleiner Tipp: Falls man an einem Sonntagabend als Politiklehrer einmal nicht weiß, was man am Montag unterrichten soll, helfen vielleicht die deutschen Twitter-Trends weiter.
Grüße

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