2-Schritt-Klassenarbeiten – als Einzel- und als Gruppenarbeit

Gruppendiskussion (Giraffen)

Meine Kollegin Claudia hat mich auf einen sehr interessanten Ansatz hingewiesen, der meines Erachtens einige Aufmerksamkeit und einiges Nachdenken darüber verdient: Two-Stage Exams – eine innovative Prüfungsform, die Prof. Brett Gilley an der University of British Columbia seit einigen Jahren einsetzt.

Ich möchte diesen Ansatz hier teilen, weil die Idee ungewöhnlich ist, mir aber vielversprechend erscheint.

Worum geht es?

In this innovative format, students still write an individual exam, but immediately after handing it in they get into groups of four to tackle the same exam questions again. Each group submits one copy of the completed exam. […]

“Usually with an exam, feedback will come as a mark and then many students will throw the exam away,” says Brett Gilley, a former Science Teaching and Learning Fellow in the Carl Wieman Science Education Initiative, and an instructor with UBC’s Vantage College and the Department of Earth, Ocean and Atmospheric Sciences. “Here, we’re making them review the exam while they still care about the answers to the questions.”

Gilley has been administering two-stage exams since 2010, and says students have almost universally embraced them. The group portion of the exam accounts for just 15 per cent of the total mark, but it’s enough of an incentive to get everyone participating. (Quelle)

Ich halte das für eine Idee, die man auch in der Schule in Betracht ziehen könnte. Viele Schüler/innen haben nach einer Klassenarbeit ja ohnehin das große Bedürfnis, sich über die Fragen auszutauschen. Wenn man das kanalisiert, kann ich mir gut vorstellen, dass sie engagiert diskutieren und dabei auch noch dazu lernen. Ähnlich sieht das auch Brett Gilley:

In research published by the Journal of College Science Teaching in January 2014, Gilley found that student learning and retention significantly improved after the group-exam portion of a midterm. (Quelle)

Im folgenden Video bekommt man einen Einblick in die Diskussionen.

 

Umsetzung in der Schule?

Ich werde über diese Form intensiv nachdenken und prüfen, ob ich das in der Schule auch mal ausprobieren kann. Einige kritische Punkte, die mir spntan einfallen sind:

  • Zeitliche Organisation: Wenn man bisher z.B. 90 Minuten eine KA schreibt, müsste man die Zeit für die Einzelarbeit halbieren, damit kann man weniger abfragen.
  • Rechtliche Absicherung: Eine Klassenarbeitsnote darf meines Wissens keine Gruppennote sein – wie lässt sich das mit dieser Methode vereinbaren?
  • Personelle Organisation: Wie stellt man sicher, dass bei der viel kleineren Gruppengröße in einem Klassenzimmer (im Vergleich zu den größeren Gruppen an der Uni) sinnvolle Gruppen entstehen und nicht z.B. nur starke Schüler/innen zusammen in eine Gruppe gehen?

 

Fallen Euch noch weitere Fragen ein, die man klären müsste? Habt Ihr Ideen, wie konkrete Antworten auf die obigen Fragen aussehen könnte? Ich freue mich über Kommentare.

Vielen an Claudia für den Hinweis!

 

Foto von Pixabay.com

Schüler/innen erstellen selbst Lern- und Erklärvideos

Symbolbild: HorizontYouTube Videos spielen im Alltag der meisten Schüler/innen eine große Rolle. Viele nutzen YouTube z.B. als Fernseh-Ersatz und hören einen Großteil ihrer Musik dort. Sie suchen dort aber auch gezielt nach Erklärvideos, wenn sie Inhalte aus dem Unterricht nicht richtig verstanden haben. Vor einiger Zeit habe ich im ZUM-Blog schon einmal einen Überblick verschiedener Erklärvideos gegeben.

Inzwischen habe ich verschiedene Lerngruppen selbst Videos erstellen lassen und will in diesem Beitrag davon berichten.

Weiter lesen …

Geographie – Der vernetzte Blick aufs Ganze

Symbolbild Geographie

2016 wurde zum „Year of Global Understanding“ ausgerufen. Darauf aufmerksam geworden bin ich dank eines Beitrags von Monsieur Becker.

In einer gemeinsamen Erklärung riefen heute die drei Weltdachverbände der Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaften – das International Council for Science (ICSU), das International Social Science Council (ISSC) und das International Council for Philosophy and Human Sciences (CIPSH) – das Jahr 2016 als International Year of Global Understanding aus. Das internationale Themenjahr wirbt für eine neue Perspektive auf den eigenen Alltag, indem die lokale Lebensweise in einem globalen Zusammenhang gedacht wird. Damit soll zu einem besseren Verständnis von lokalen und globalen Zusammenhängen beigetragen werden und Unterstützung für politische Initiativen, die sich globalen Herausforderungen wie beispielsweise dem Klimawandel, der Ernährungssicherheit oder der Migration annehmen, angeregt werden (Quelle: Presseerklärung der Initiative)

Auch wenn die Geographie in diesem Ausschnitt nicht explizit erwähnt wird, ist sie doch die Disziplin, die für das Verständnis globaler Zusammenhänge und Herausforderungen besonders geeignet ist. In einem Beitrag im SWR erläutert Prof. Benno Werlen die Hintergründe.

Geographie ist das Fach, in dem sich Naturwissenschaften, Sozialwissenschaften und Geisteswissenschaften begegnen und sich gegenseitig dazu verhelfen, ein Phänomen umfassen zu verstehen.

Geographie schult und erfordert vernetztes Denken. Komplexe Ursache-Wirkungsgefüge gehören zum alltäglichen geographischen Arbeiten. Sie bereitet Schülerinnen und Schüler daher hervorragend auf spätere Herausforderungen in komplexen Lebens- und Arbeitssituationen vor. Es ist mir daher unverständlich, dass Geographie als Schulfach in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung verliert. Im neuen Bildungsplan in Baden-Württemberg, der nächstes Schuljahr anläuft, musste am Gymnasium die ohnehin schon spärlich vorhandene Geographie Stunden abgeben und kommt nun nur noch bruchstückhaft vor. Dabei denke ich oft, dass es vielen Entscheidungsträgern gut tun würde, wenn sie sich etwas mehr Geographie beschäftigt hätten, um das komplexe Zusammenspiel von natürlichen Gegebenheiten und menschlichem Handeln zu durchdringen.

Ein Beispiel ist der Klimawandel mit seinen Folgephänomenen. Heute morgen stieß ich auf einen Text über Reisanabau, der hervorragend illustriert, was geographische Zugänge leisten können und wie wichtig sie für das Verständnis globaler Probleme sind: Anbau des Grundnahrungsmittels Reis leidet unter der Veränderung des Klimas.

Darin wird deutlich, dass Reisbauern in vielen Gebieten Asiens unter den Folgen des Klimawandels leiden: Dürreperioden erfordern erhöhte Bewässerung, was den Bauern im Unterlauf eines Flusses buchstäblich das Wasser abgräbt. Dadurch sinken die Ernten in den Mündungsgebieten der großen Flüsse, wo aber die meisten Menschen leben. Gleichzeitig dringt durch den steigenden Meeresspiegel Salzwasser ins Grundwasser ein und setzt die Reisplantagen in Küstennähe unter Salzstress. Das führt ebenfalls zur Ernteeinbußen. Im Extremfall müssen die Felder ganz aufgegeben werden.

Man erkennt hier das enge Zusammenspiel verschiedener Faktoren, welche von der Geographie untersucht werden: Verständnis natürlicher Phänomene wie z.B. der Prozesse in der Atmosphäre, der Dynamik der Ozeane, der Formung von Küsten und Flussläufen und der Wasserdynamik darin. Darüber hinaus kann man mit der Geographie menschliches Verhalten analysieren, z.B. im Rahmen der Siedlungs- und Wirtschaftsgeographie oder auch der Sozialgeographie: Warum siedeln Menschen an bestimmten Orten und nicht woanders? Wie beeinflusst menschliches Wirtschaften den Siedlungsraum und den Naturraum? Welche sozialen Konsequenzen ergeben sich daraus? Wie wirken sich Veränderungen in diesem Gefüge auf den Siedlungsraum, den Naturraum und das soziale Gefüge aus?

Der Mensch ist in den meisten Fällen sowohl Akteur als auch Betroffener. Das Denken in monokausalen oder linearen Zusammenhängen bringt einen nicht zu einem angemessenen Verständnis. Verneztes, disziplinübergreifendes Denken, wie es in der Geographie üblich ist, ist nötig. Ein Ausdruck davon ist das Wirkungsgefüge, das z.B. im Geographieunterricht in Baden-Württemberg fest verankert ist. Mit dieser Methode kann man visualisieren, welche Ursache-Wirkungsbeziehungen einem Phänomen zugrunde liegen.

Hier ein Beispiel, das ich zum Thema Ölsandabbau in Kanada als Musterlösung erstellt habe. Das Ausgangsmaterial dazu ist der Artikel Der kanadische Ölsandkomplex. Das Wirkungsgefüge zeigt auf, wie komplex die Zusammenhänge sind und ermöglicht es, diese auch in Ausschnitten zu erfassen und zu analysieren. Das lineare Medium Text ist dazu weit weniger gut geeignet. Genauso verhält es sich mit der vernetzten Betrachtung durch die „geographische Brille“ im Gegensatz zur Einzelbetrachtung einer spezialisierten Fachdisziplin (wobei natürlich die Vertiefung einzelner Aspekte durch Spezialdisziplinen als nächster Schritt nicht fehlen darf).

wirkungsgefuege-oelsandabbau

 

Fazit

Geographie ist eine Wissenschaft und ein Fach, das meines Erachtens viel zum Verständnis der Welt und zur Lösung globaler Probleme beitragen kann. Egal, was man als Schüler/in später machen möchte, die Geographie ist immer eine gute Wegbereiterin, weil sie vernetztes Denken in Zusammenhängen schult. Außerdem bekommt man einen breiten Einblick in unterschiedlichste Bereiche, was dazu beiträgt, einen guten Grundstock von Orientierungswissen aufzubauen. Bleibt zu hoffen, dass das ausgerufene Jahr des Verständnisses globaler Zusammenhänge das Bewusstsein für die Bedeutung der Geographie fördern kann.


Abb. von geralt, Pixabay

#COP21 (12/12) Wie kann ich persönlich auf den Klimawandel reagieren?

Der Klimawandel betrifft uns in vielerleich Hinsicht: Unser gesamtgesellschaftliches Konsumverhalten ist eine seiner Ursachen, unsere individuellen Gewohnheiten können positiver oder negative Beiträge dazu sein, seine Konsequenzen können für uns direkt spürbar sein, wenn wir z.B. in sommerlichen Hitzewellen schwitzen oder in nassen, milden Wintern den Schnee vermissen. Wie können wir mit dem Klimawandel umgehen?

Kurz gesagt gibt es zwei Ansätze:

  • Einerseits sollten wir versuchen, mit unserem Verhalten möglichst wenig zur Erhöhung der globalen Mitteltemperatur beizutragen, sprich: Wir sollten uns klimafreundlich verhalten. Diesen Aspekt nennt man Mitigation.
  • Andererseits sollten wir die potentiellen Konsequenzen des Klimawandels in unserer Region kennen und uns auf diese vorbereiten. Diesen Aspekt nennt man Adaptation.

Die beiden Ansätze werden in dem Buch „Zwei Grad mehr in Deutschland“ anschaulich erklärt, mein Video dazu fasst sie ebenfalls zusammen (siehe dort). Die konkret zu erwartenden Konsequenzen für Deutschland werden in dem Buch ebenfall angesprochen und in den erzählten Schluss-Szenarien kann man gute Ideen erhalten, welche Anpassungen (Adaptation) man auch als Einzelperson vorbereiten kann.

Im Folgenden soll es aber um die Mitigation gehen, um klimafreundliches Verhalten. Mir scheint, dass das eher eine Lebenseinstellung als ein Set von kurzfristigen Maßnahmen ist. Denn unser Alltag ist sehr komplex und man wird wohl selbst bei intensiver Bemühung immer wieder feststellen, dass man in diesem oder jenem Bereich bisher noch gar nicht über die „Klimakonsequenzen“ nachgedacht hat. Aber auch kleine Schritte, millionenfach multipliziert, sind wichtige Beiträge.

Screenshot des CO2-Rechners des UBA

Screenshot des CO2-Rechners des UBA

Ein guter Start, um einzuschätzen, wie sich das eigene Verhalten auf das Klima auswirkt, ist die Analyse des eigenen CO2-Fußabdrucks. Das ist ein Maß dafür, wie „CO2-intensiv“ man lebt. Um das zu quantifizieren, gibt es diverse „CO2-Rechner“ im Netz, zum Beispiel auch den CO2-Rechner des Umweltbundesamts. Wenn man diesen benutzen will, sollte man etwas Zeit mitbringen und z.B. die Stromrechnungen parat haben sowie einige andere Unterlagen, in denen der eigene Ressourcenverbrauch zum Ausdruck kommt. Diese Analyse ist also nicht für „mal eben schnell“, sondern erfordert ein wenig Vorbereitung. Dafür hat man hinterher schon einige Anhaltspunkte, an welchen Stellschrauben man drehen kann. Einen ersten kurzen Einblick gibt der WDR-Video-Beitrag Die persönliche CO2-Bilanz – ein Selbstversuch.

Es gibt auch einige Übersichten zu dem Thema, z.B. der Beitrag Klimaneutral leben – Stellschrauben im Alltag des Umweltbundesamts.

Eine klimaneutrale Gesellschaft ist kein abstraktes Ziel, sondern wird unser Leben in einzelnen Bereichen grundlegend verändern. Immer mehr Menschen setzen einzelne Bausteine bereits um und engagieren sich für ein klimaneutrales Leben in Deutschland.

Die wichtigsten Stellschrauben, die den persönlichen CO2-Ausstoß bestimmen, sind im Bereich Mobilität die Zahl der Fernreisen, die zurückgelegten Autokilometer und der Kraftstoffverbrauch des Autos. Im Bereich Wohnen kommt es vor allem auf die Größe der Wohnfläche und den Dämmstandard in Bezug auf den Heizenergieverbrauch an.

Auch was wir essen, hat Einfluss auf den CO2-Ausstoß. Tierische Produkte wie Fleisch, Käse oder Butter sind mit besonders hohen Emissionen verbunden. Die durchschnittliche Verzehrmenge an Butter verursacht zum Beispiel rund 160 Kilogramm CO2 pro Jahr, während der Wert bei Kartoffeln nur bei 13 Kilogramm CO2 pro Jahr liegt. Durch die Umstellung auf Bioprodukte lassen sich zudem knapp 20 Prozent der CO2-Emissionen einsparen. (Quelle)

Wer dazu detailliertere Informationen möchte, kann sich die Broschüre „Klimaneutral leben“ anschauen.

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#COP21 (11/12) Wie wirkt sich der Klimawandel in einzelnen Regionen aus?

Klimawandel bedeutet, dass das komplexe Klimasystem sich in ein neues Gleichgewicht überführt. Dabei wird es keineswegs überall gleichmäßig etwas wärmer. Die Auswirkungen sind vielfältig und regional unterschiedlich. Die folgenden Fallbeispiele sollen das verdeutlichen.

Mekong

Die Mekong-Region zeigt anschaulich, wie die Klimaproblematik mit Fragen der Globalisierung, der Entwicklung, der Armutsbekämpfung und vielen weiteren verwoben ist. Die Region spürt schon die Auswirkungen des Anstiegs der globalen Mitteltemperatur um knapp ein Grad seit Beinn der Industrialisierung:

Laos, Cambodia, Thailand and Vietnam who share the lower Mekong basin are all acutely aware that they are threatened by climate change caused by others. The region has recorded more extreme weather, deeper droughts, heavier rains, bigger floods and much hotter temperatures than ever before – all consistent with UN scientists’ predictions of global warming. (Quelle)

Daher versucht z.B. Laos, mit Staudämmen saubere Energie zu erzeugen und dabei auch wirtschaftlich vorwärts zu kommen indem es den Strom an die Nachbarn verkauft. Das hat aber unter Umständen ebenfalls problematische Konsequenzen.

The intention is partly to reduce its own minimal greenhouse gas emissions, but mostly to generate income from selling clean electricity to its energy-hungry neighbours. Laos hopes to make billions of dollars a year from its cascade of giant dams anyway, but it could be one of the great winners from the Paris climate summit if a global carbon market develops and rich countries are allowed to offset their emissions against its clean energy.

But major hydroelectric dams can be river killers. Not only is forest and farmland usually lost, but people must be evicted, and experience shows that dams can destroy fisheries, scour riverbeds, cause more erosion, and dramatically change the amount of silt and sediment transported downstream. While trying to solve the one problem of climate change, there are real fears that hydropower on the Mekong and its tributaries could make countries more prone to the floods and droughts which climate change will bring. (Quelle)

Im zitierten Artikel gibt es viele weitere Beispiele für die Komplexität des Problems. Es wird deutlich, dass einfache Lösungen kaum zu finden sind.

Marshall Inseln

Auf den Marshall-Inseln sorgt der steigende Meeresspiegel dafür, dass die Inseln immer weniger und kleiner werden. Dabei muss man beachten, dass es keine dauerhafte Überflutung eines Landstücks braucht, um es unbewohnbar zu machen. Die „wenigen Zentimeter“, die der Meeresspiegel bisher gestiegen ist scheinen auf den ersten Blick ja kein Problem zu sein. Das Problem sind u.a. zwei Faktoren:

  • Wenn das Wasser generell höher steht, überflutet es beim Stürmen oder Hochwasser die Gebiete, die bisher als sicher galten und wo z.B. Behausungen stehen oder Felder liegen. Da in vielen Regionen Stürme häufiger und heftiger werden, sind diese Gebiete also häufiger davon betroffen. Wenn ein Feld oder ein Haus mehrfach pro Jahr betroffen ist, kann man dort de facto nicht mehr siedeln, selbst wenn diese Ereignisse nur an einigen Tagen pro Jahr auftreten.
  • Meerwasser macht das angrenzende Grundwasser salzig. Daher kann man am Küstenstreifen nicht oder nur eingeschränkt Ackerbau betreiben. Wenn der Meeresspiegel steigt, ist die Fläche mit salzigem Grundwasser größer, die ackerbaulich nutzbare Fläche kleiner. Bei Inseln mit ohnehin geringer Fläche kann das den Ausschlag geben, dass sich die Menschen dort nicht mehr ernähren können.

Und nun wird das knappe Land noch knapper. Seit Jahrzehnten steigt der Meeresspiegel Zentimeter für Zentimeter. Und er steigt immer schneller. Wie schnell, das kann kein Forscher mit Sicherheit sagen. Aber selbst die optimistischen Prognosen räumen den Marshallinseln keine Chancen ein: Der Ozean wird ein Atoll nach dem anderen verschlingen, Mona, ihre Familie, ihre Nachbarn und ihr Volk werden ihr Land verlieren. (Quelle)

Viele Menschen wandern von den Mashall-Inseln (und aus anderen betroffenen Gebieten) aus, ihr Status ist aber oft prekär.

In Deutschland würde man sie und all die anderen, die mit ihren wenigen Habseligkeiten auf den Abflug warten, „Wirtschaftsflüchtlinge“ nennen. Das Wort „Klimaflüchtling“ ist bis heute kein völkerrechtlich anerkannter Begriff. Erst im Juli dieses Jahres scheiterte ein dreifacher Familienvater von der Südseeinsel Kiribati endgültig damit, als erster Klimaflüchtling der Welt anerkannt zu werden. Der Mann hatte für sich und seine Familie in Neuseeland Asyl beantragt, aber das Oberste Gericht des Landes wies die Klage gegen seine Abschiebung ab. Die Richter räumten zwar ein, dass seine Heimat unter dem Klimawandel leide. Kriterium für eine Anerkennung als Flüchtling sei laut UN-Konvention aber, dass der Antragsteller in seinem Heimatland Verfolgung fürchten müsse. (Quelle)

 

Ghana

Ein Videobeitrag der Tagesschau aus Ghana zeigt auch hier die wirtschaftlichen Konsequenzen der Verschiebung von Niederschlagssystemen und Dürren.

Im heißen und trockenen Norden Ghanas ist das Leben in den vergangenen Jahren immer schwerer geworden – auch wegen des Klimawandels. Vor allem Frauen suchen deshalb in der Hauptstadt Accra ihr Glück. Doch dort wartet harte Arbeit für wenig Lohn. (Quelle)

Anden

Claus Kleber berichtet in seiner hervorragenden Dokumentation Machtfaktor Erde unter anderem aus den Anden. Lima sei die Millionenstadt auf der Erde, in der die Konsequenzen des Klimawandels heute schon zu spüren seien. Die Wasserversorgung der Stadt hängt an den Schmelzwasserflüssen der Andengletscher. Wenn diese an Masse verlieren, gibt es weniger Schmelzwässer, die Wasseradern werden dünn. Die Slums an den Hängen von Lima müssen heute schon mit Tankwagen mit Trinkwasser versorgt werden. Die dortigen Bewohner müssen trotzt ihrer Armut für das Wasser oft schon mehr bezahlen als die Bewohner der Kernstadt. Der Filmbeitrag deutet an, dass die Stadt sich womöglich schon für die sozialen Unruhen rüstet, die in dieser Konstellation drohen.

Vielerorts

Solche Beispiele kann man überall auf der Welt finden. Es gibt ein generelles Muster dahinter: Die Veränderung des Klimas hat zur Folge, dass die bisherigen Versorgungssysteme, an die sich die Menschen in der Regel angepasst hatten, ihre geographische Lage verändern, schlechter werden oder ganz wegbrechen. Die Konsequenz ist, dass Gesellschaften ein neues Gleichgewicht bezüglich der Verteilung der Bevölkerung und den Versorgungssystemen finden müssen. Doch bis sich dieses eingestellt hat, sind die Systeme instabil. Das bedeutet konkret z.B. soziale Unruhen, Migration, Hungersnöte, kriegerische Auseinandersetzungen. Der Klimawandel ist praktisch nie die alleinige Ursache dafür. Aber in Gesellschaften, die aufgrund von Armut, schlechter Regierungsführung oder anderer Faktoren ohnehin schon verletzlich sind, wirken die Klimaveränderungen und ihre Konsequenzen als Zündfunken oder Brandbeschleuniger.


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#COP21 (10/12) Was sind Kipp-Elemente im Klimasystem?

Beim Klimawandel und der Diskussion über Erwärmungsszenarien denkt man in der Regel an eine graduelle Änderung, die im Maßstab eines menschlichen Lebens kaum spürbare Konsequenzen mit sich bringt. Dieses Bild ist aber nur teilweise korrekt, denn das Klimasystem ist komplex und enthält auch Elemente, die sich nicht linear verhalten.

Eine lineare Änderung würde bedeuten, dass bei langsamer Änderung eines „Reglers“ (z.B. der CO2-Konzentration der Erdadmosphäre) das ganze System ebenfalls langsam reagiert. Das ist jedoch nicht immer so. Im Klimasystem gibt es aber auch so genannte „Kipp-Punkte“ (englisch: Tipping Points), bei deren Überschreitung das System in sehr kurzer Zeit gravierende Änderungen erfährt.

Es besteht die Gefahr, dass abrupte, drastische Klimaänderungen die Anpassungsmöglichkeiten der menschlichen Gesellschaft überaus fordern oder auch übersteigen. Dies gilt besonders für solche Fälle, in denen die bewirkten Änderungen nicht mehr umkehrbar sind.

In Verbindung mit dem Anstieg der atmosphärischen Konzentrationen der Treibhausgase und möglichen Kipp-Punkten im Klimasystem diskutiert die Fachwelt folgende Prozesse […]:

  • Schmelzen des Meereises und Abnahme der Albedo in der Arktis
  • Schmelzen des Grönländischen Eisschildes und Anstieg des Meeresspiegels
  • Instabilität des westantarktischen Eisschildes und Anstieg des Meeresspiegels
  • Störung der ozeanischen Zirkulation im Nordatlantik
  • Zunahme und mögliche Persistenz des El-Niño-Phänomens
  • Störung des Indischen Monsunregimes
  • Instabilität der Sahel-Zone in Afrika
  • Austrocknung und Kollaps des Amazonas-Regenwaldes
  • Kollaps der borealen Wälder
  • Auftauen des Permafrostbodens unter Freisetzung von Methan und Kohlen- dioxid
  • Schmelzen der Gletscher und Abnahme der Albedo im Himalaya
  • Versauerung der Ozeane und Abnahme der Aufnahmekapazität für Kohlen- dioxid
  • Freisetzung von Methan aus Meeresböden. 

(Quelle, PDF)

Das oben zitierte Papier des Umweltbundesamts (PDF) stellt die Kipp-Punkte sehr klar und übersichtlich dar. Eine detailliertere und theoretischere Erklärung zu den Kipp-Punkten gibt es im Klimawandel-Wiki des Hamburger Bildungsservers.

Manche dieser Kipp-Punkte sind anfälliger als andere, das Wissen über sie ist unterschiedlich gut. Ein Artikel des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung sortiert die einzelne Elemente nach den Kriterien „Anfälligkeit“ und „Unsicherheit“. Demnach sind der Grönländische Eisschild und das Arktische Meereis sehr anfällig für ein Überschreiten des kritischen Punktes, die Unsicherheit darüber ist gering.

Grönländischer Eisschild – Die Erwärmung über dem Eisschild beschleunigt den Eisverlust durch Gletscher, die ins Meer fließen. Der Rand des Eisschildes verliert dadurch an Höhe, was die Erwärmung und den Eisverlust weiter verstärkt. Wann genau der Kipppunkt zum Zerfall des Eisschildes überschritten ist, lässt sich bislang nicht beurteilen. Die heutigen Modelle können das beobachtete Abschmelzen der Gletscher nicht genau erfassen. Wird aber die kritische Grenze von drei Grad Celsius lokaler Erwärmung überschritten, könnte der Eisschild schlimmstenfalls schon innerhalb von 300 Jahren abschmelzen. Dies würde den Meeresspiegel um bis zu sieben Meter ansteigen lassen. (Quelle)

An dieser Größenordnung – potentiell komplettes Abschmelzen des Grönländischen Eises innerhalb von 300 Jahren – und dem damit einhergehenden Anstieg des Meeresspiegels um sieben Meter (sic!) kann man erkennen, wie gravierend es sein kann, wenn ein Kipp-Punkt überschritten wird. Welche Gebiete bei diesem Anstieg überflutet würden, kann man im Sea-Level Rise Explorer nachschauen. Alledings muss betont werden, dass heute noch wenig verstanden ist, bei welchem Anstieg der globalen Mitteltemperatur der Kipp-Punkt überschritten würde.

Eine Kartentool von ARTE gibt ebenfalls einen guten Einblick in diese Elemente: Wenn das Klima kippt. Man startet zunächst das Modul durch Klick auf die Karte und dann „Modul starten“. Nun kann man am Thermometer die Erhöhung der globalen Mitteltemperatur einstellen, was dann die verschiedenen Kipp-Elemente zum Vorschein bringt, die beim jeweiligen Temperaturanstieg relevant zu werden drohen.


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#COP21 (9/12) Was treibt die Klimawandel-Leugner?

Vor allem in den USA gibt eine erhebliche Anzahl von Menschen, die der Ansicht sind, der menschengemachte Klimawandel existiere überhaupt nicht oder – als abgeschwächte Variante – dass es zwar den Klimawandel gäbe, dass aber menschliche Aktivitäten nicht dafür verantwortlich seien. Laut der Darstellung im Yale Project on Climate Change Communication „63 percent of Americans believe that global warming is happening, but many do not understand why“. Eine neuere Umfrage vom Oktober 2015

At least 70 percent of Americans now believe that global warming during the last 40 years is real and supported by solid evidence, coinciding with the lowest percentage of Americans who doubt climate change, according to a new poll released this week. (Quelle)

Diese Zahl schwankt immer mal ein wenig, aber es scheint, dass die Zahl der so genannten „Klimaskeptiker“ oder auch „Klimawandel Leugner“ in den letzten Jahren zumindest kleiner geworden sei. Immerhin knapp ein Drittel der Amerikaner zweifeln aber immer noch an der schieren Existenz einer anthropogenen Klimaerwärmung.

Zu Deutschland konnte ich keine Zahlen finden, aber ich gehe davon aus, dass die Zahl der Leugner kleiner ist. Die Zahl der Menschen, die den Klimawandel und seine Ursachen verstehen, mag aber wohl ähnlich niedrig sein wie in den USA, zumindest ist das meine Erfahrung aus Gesprächen (das ist ein Grund dafür, warum ich diese Artikelserie schreibe).

Woher kommen diese Zweifel?

Kurz gesagt: Sie werden bewusst und mit großem Aufwand erzeugt und geschürt. Es gibt eine ganze „Industrie“ von Lobbyisten, deren Geschäft es ist, die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass Klimawandel entweder nicht durch den Menschen verursacht wird oder überhaupt nicht stattfindet. Beauftragt und bezahlt werden diese Aktivitäten von verschiedenen Akteuren, die durch den Schutz des Klimas wirtschaftliche Nachteile erwarten: z.B. Ölfirmen, Kohleproduzenten etc. Einen guten Überblick der Situation gibt der Artikel Das Netzwerk der Leugner bei Spektrum.

Allein die Brüder Charles und David Koch, die mit Kohle und Öl Milliarden verdient haben, überwiesen der Studie zufolge über diverse Familienstiftungen 26 Millionen. Der Ölkonzern ExxonMobil hat nach Zahlen von Greenpeace zwischen 1998 und 2007 etwa 31 Millionen Dollar in die Lobbyorganisationen investiert. Dabei wusste die Firma, wie vor einigen Wochen herauskam, seit den späten 1970er Jahren von eigenen Wissenschaftlern, dass der Klimawandel von Treibhausgasen befördert wird. (Quelle)

Dabei sind die Leugner in der für sie vorteilhaften Position, dass sie die Öffentlichkeit nicht von ihrer Haltung überzeugen müssen. Es reicht, wenn Wähler und Politker Zweifel an der Verlässlichkeit der wissenschaftlichen Erkenntnisse haben.

Die Klimaschutzgegner erreichen ihr Ziel nicht erst, wenn sie ihre Version der wissenschaftlichen Fakten durchsetzen. Es genügt ihnen, den Anschein einer Kontroverse zu erzeugen, über die die Medien dann berichten und in die sich Politiker einmischen. (Quelle)

In den letzten Jahren hat sich herausgestellt, dass viele der aktiven Lobbyisten die selben Strategien anwenden, wie sie in früheren Jahren von der Tabakindustrie eingesetzt wurden, um die Gesundheitsschädlichkeit des Rauchens anzuzweifeln. Oft sind sogar die selben Personen beteiligt.

What’s clear – and has been clear for well over a decade – is that the climate science denial industry is largely an extension of a program developed in the 1960s by big tobacco. (Quelle)

Der Artikel Doubt over climate science is a product with an industry behind it im Guardian stellt diese Zusammenhänge ausführlich dar. Ein Beispiel:

In 2000, influential US Republican pollster Frank Luntz produced a memo for the energy industry and anyone else challenging the science of climate change. Luntz wrote:
“Should the public come to believe that the scientific issues are settled, their views about global warming will change accordingly. Therefore, you need to continue to make the lack of scientific certainty a primary issue in the debate.” (Quelle)

Das Buch „Merchants of Doubt“ und der inzwischen dazu entstandene Film geben ebenfalls Einblicke in dieses System.

 

Was kann man dagegen tun?

Der Klimawandel als öffentliches Thema bringt unter anderem die Schwierigkeiten mit sich,

  • dass er ein komplexes Problem ist, das viele Ursachen und Konsequenzen hat,
  • dass man eine Menge wissen muss, um diese einigermaßen zu verstehen,
  • dass es Mühe macht, sich mit diesen Inhalten auseinanderzusetzen und
  • dass mögliche Lösungsansätze oft beinhalten, dass man sein gewohntes Verhalten ändert.

Insgesamt keine günstigen Voraussetzungen. Die Leugner haben dagegen die Psychologie auf ihrer Seite, denn eine Konsequenz aus ihrer Botschaft ist, dass ich als Einzelner nichts tun muss und weitermachen kann wie bisher.

Um die Öffentlichkeit ganzer Staaten über die Zusammenhänge des Klimawandels zu informieren, ist daher Geduld und Ausdauer nötig. Gerade der schulischen Bildung kommt meines Erachtens eine wichtige Rolle zu. Ein schöner Ansatz ist die Website Climate Feedback, wo Klimaforscher jeweils einen woanders veröffentlichten Artikel darauf hin analysieren, wie fundiert und vertrauenswürdig er ist.

Climate Feedback brings the expertise of the scientific community into the world of online climate coverage to provide readers and authors with in-situ feedback about the content’s scientific credibility. (Quelle)

Leider kenne ich kein entsprechendes Projekt auf deutsch, aber zumindest gibt es in den deutschen Mainstream-Medien auch keine aktive Unterstützung für die Klimawandel-Leugnung. Wenn man jedoch ein wenig sucht, stößt man auf YouTube und auf privaten Websites – die sich durchaus den Anschein geben, sie seien irgendwie „offiziell“ – auch auf zahlreiche „Enthüller“, die den „Klimaschwindel aufdecken“.

Ich habe im Lauf der Jahre viele Materialien zum Thema Klimawandel und speziell auch zur Klimawandel-Leugnung gesammelt, die vielleicht ebenfalls weiterhelfen. Nichtzuletzt versuche ich, mit dieser Beitragsserie einen kleinen Beitrag zu leisten, dass möglichst viele Menschen wenigstens über die Fakten Bescheid wissen – die Lösung des Problems ist dann immer noch schwierig genug.

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#COP21 (8/12) Wie beeinflusst der Klimawandel regionale Konflikte?

Praktisch alle größeren menschlichen Gesellschaften müssen heute fein austariert sein bezüglich ihres Lebensraums und ihrer Zulieferströme von Nahrung und Ressourcen. Durch die große Anzahl von Menschen gibt es wenig Spielraum – man kann eine Region normalerweise nicht einfach verlassen und woanders siedeln, wenn die Lebensgrundlagen schlechter werden oder ganz austrocknen. Das Bevölkerungswachstum, das zumindest noch einige Jahrzehnte anhalten wird, macht diese Situation noch gravierender. Es kommen neue Menschen hinzu, aber an den Orten, wo man gut siedeln kann (und auch schon an vielen, wo man nicht gut siedeln kann), leben schon Menschen.

Der Klimawandel bringt Veränderung und das bedeutet in diesem Fall: Konfliktpotential. Denn die Erde erwärmt sich nicht gleichmäßig, sondern in verschiedenen Regionen unterschiedlich. Manche Gegenden der Welt werden wärmer und trockener, in anderen wird Infrastruktur durch häufigere Stürme oder Hochwasser zerstört. Wenn das regelmäßig geschieht, ziehen die Menschen aus so einer Gegend weg, finden aber sehr wahrscheinlich keine „leeren“ Flecken mehr, wo sie konfliktfrei ankommen und sich niederlassen können. Ein Beispiel für eine solche Veränderung gibt eine Studie von Jeremy Pal und Elfatih Eltahir:

Es ist eine Prognose, die ein Computermodell der beiden Umwelttechniker und Klimaforscher Jeremy Pal und Elfatih Eltahir nahelegt (Pal & Eltahir, Nature Climate Change, 2015). Sollte die Menschheit weiter wie bisher Treibhausgase in die Atmosphäre pusten, würde bis 2100 die globale Durchschnittstemperatur um 4 Grad Celsius steigen. Am Rande des Persischen Golfs könnten so Hitzewellen entstehen, die definitiv tödlich wären. Und zwar nicht nur für kranke, geschwächte und ältere Menschen, sondern praktisch für jeden, der sich draußen länger als etwa sechs Stunden aufhält. Es wäre wie in der Sauna eingesperrt zu sein: Hitze und Schwüle würden den Körper so stark aufheizen, dass Schweiß als natürliche Kühlung nicht mehr ausreicht und letztlich die Organe versagen. (Quelle)

Es handelt sich dabei um eine Simulation basierend auf Daten der Vergangenheit und ist damit keine sichere Vorhersage der Zukunft, sondern eine denkbare Möglichkeit. Dennoch lässt es aufhorchen, denn auch im kleineren Maßstab würden solche Veränderungen mittelfristig zu erheblichem Konfliktstoff in den betroffenen Regionen sorgen.

Auch bei der Entstehtung des Syrischen Bürgerkriegs sehen viele Forscher den Klimawandel als einen beteiligten Faktor. In den Jahren 2006 bis 2010 herrte eine ungewöhnlich lange und schwere Dürre in der Region. Zusammen mit anderen Faktoren hat sie dazu beigetragen, dass sich die Lebensbedingungen verschlechterten:

„Wir behaupten nicht, dass die Dürre den Krieg verursacht hat. Aber sie addierte sich zu all den anderen Stressfaktoren – und bildete damit vielleicht den Zündfunken, der zum offenen Krieg führte“ […] Im letzten Jahrhundert traten stärkere Dürren in den 1950er, 1980er und 1990er Jahren auf, doch fiel keine in der jüngeren Vergangenheit so heftig aus und dauerte so lang wie die letzte mit Beginn im Jahr 2006. Und diese Katastrophe könnte bereits mit dem Klimawandel zusammenhängen, so die Wissenschaftler – zumindest sprächen verschiedene Daten und Modellberechnungen dafür. (Quelle)

Auch in anderen Regionen der Welt könnten die sich verändernden klimatischen Bedingungen Konflikte anheizen. Verschiedene Konflikte kann man mit der Karte der Plattform ECC näher untersuchen. In der Regel kann man zwar in keinem Fall sagen, dass der Klimawandel für einen Konflikt verantwortlich sei – Konflikte haben meist vielfältige, sich gegenseitig beeinflussende Ursachen – aber oft wirkt die Verschlechterung von Klimabedingungen als Multiplikator von bereits vorhandenen Problemen.

Um den Zugang zu Trinkwasser geht es auch in vielen Beispielen von Claus Klebers sehr gut gemachter Dokumentation „Machtfaktor Erde“. Hier wird erkennbar, dass zum Beispiel schmelzende Andengletscher die Wasserversorgung von Lima bedrohen, was aller Voraussicht nach zu sozialen Konflikten führen wird. Ähnliche Beispiele gibt es im Himalaya und am Nil.

Die Eingrenzung des Klimawandels ist also auch eine Maßnahme zur Reduzierung und Entschärfung regionaler Konflikte weltweit.


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#COP21 (7/12) Wie ist der Stand der Verhandlungen zur Halbzeit?

Am Ende der ersten Hälfte der Verhandlungen liegt ein Papier vor, über das die Minister nun in der zweiten Hälfte beraten.

Die Verhandler haben ihren Job durchaus gemacht. Es gibt ein 38-seitiges Papier, das den Ministern am Montag vorgelegt wird. Strukturiert und mit so vielen Auswahlmöglichkeiten, dass noch alles daraus werden kann. Ein starkes Abkommen, aber auch eine Luftnummer. (Quelle)

Es scheint aber auf vielen Seiten vorsichtigen Optimismus zu geben, denn die Haltungen und Umstände seien besser als bei früheren Konferenzen. Es gebe mehr Willen zur Einigung.

Senior negotiators and long-time observers believe there will be a way through the sticking points. “There is good news. This is only a basis for a negotiation..there are several disagreements that we need to talk to each other, to try to solve … but political will is there from all parties,” he said. (Quelle)

Der vorliegende Entwurf hat vier Kernpunkte:

Erstens: Es gibt langfristige Ziele, die bis weit ins 21. Jahrhundert reichen. […]
Zweitens: Es gibt freiwillige Selbstverpflichtungen der Staaten zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung, die in einem selbstbestimmten nationalen Prozess vor den Verhandlungen festgelegt wurden und jetzt nicht mehr Gegenstand von Auseinandersetzungen sind […]
Drittens: Es gibt Finanzzusagen der reichen vor allem an die ärmsten Länder, die zugleich am meisten unter dem Klimawandel zu leiden haben. […]
Viertens: Weil das Paris-Abkommen erst Wirkungen in langer Zeit zeigen wird, der Druck aber schon heute immens ist, muss ein Weg außerhalb einer langfristigen Vertragsstruktur gefunden werden, der zugleich aber glaubhaftes Handeln heute befördert. Das ist die sogenannte Lösungsagenda („Solutions Agenda“). (Quelle)

Der Klimaforscher Reimund Schwarze kommt in seinem Artikel bei klimaretter.info zu dem Fazit, dass man mit den vorgeschlagenen Maßnahmen leben könnte und dass dieser Vertragsentwuf gute Chancen hat, ab 2020 der Nachfolger des Kyoto-Protokolls zu werden.


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#COP21 (6/12) Welche selten diskutierten Maßnahmen oder Konzepte sind einen Blick wert?

Es gibt viele mögliche Maßnahmen gegen den anthropogenen Klimawandel. Da das Problem aber komplex ist, erscheint es in der öffentlichen Diskussion meist nur in Form von einzelnen „Happen“, welche die jeweiligen Autoren für ihre Leser oder Zuschauer für verdaulich halten. Es gibt daher Maßnahmen, Konzepte oder Sichtweisen, von denen man selten hört, die aber dennoch bedenkenswert sind – sei es, um das Problem möglichst großflächig zu verstehen oder um zumindest alle Optionen zu kennen.

Einige dieser Maßnahmen sind eine globale CO2-Steuer und das Divestment aus fossilen Energieträgern.

CO2-Steuer – und alternative Ansätze

Der Artikel Second-best solutions im hervorragenden Special Report „Climate Change“ des Economist formuliert es so:

ECONOMISTS LIKE TO argue, about climate change as much as anything else. […] But on the biggest issue of all they nod in agreement, whatever their political persuasion. The best way to tackle climate change, they insist, is through a global carbon tax. (Quelle)

Der Artikel erläutert die Vor- und Nachteile einer solchen Steuer und sagt klar, dass eine solche Maßnahmen natürlich wenig populär wäre:

New levies are never popular. Even if governments promised to cut other taxes, so that a carbon tax would be fiscally neutral, they would make enemies. It is a sound rule of politics that the winners from any reform are less delighted than the losers are angry. And no government could guarantee that carbon-dioxide emissions would fall by a specific amount. A carbon tax represents certain pain for uncertain gain. (Quelle)

Entsprechend werden dieser Idee wenige Chancen in Paris eingeräumt:

A global carbon tax—or even one involving many countries—is likely to remain an economic theory for a long time. Certainly, nothing of the sort will be seriously discussed in Paris. Even so, there are three perfectly good things everybody could be getting on with right away. (Quelle)

Die im weiteren Verlauf aufgezeigten Alternativen enthalten interessante Einblicke:

  1. Die Zusagen der einzelnen Staaten, wie stark sie ihre Emissionen kürzen wollen, sollten vereinheitlicht werden. Denn jedes Land sucht sich das Referenzjahr, gegenüber dem es kürzen möchte, selbst aus. Und natürlich werden immer die Jahre als Referenz ausgesucht, in denen sehr viel CO2 emittiert wurde, damit die Reduzierung besonders umfangreich erscheint. 
  2. Man sollte sich nicht so stark auf CO2 einengen, sondern auch andere Gase und Aerosole in den Fokus nehmen. Methan, Chlorfluorkohlenwasserstoffe und Ruß seien möglicherweise einfacher zu reduzieren und wirkten zwar gegenüber CO2 weniger stark, dafür aber potentiell schneller aus. 
  3. Technologische Innovationen sollten nicht vernachlässigt werden. Dahinter steht die Idee, dass es sinnvoll sei, eine große Anzahl potentieller Lösungen zu erforschen, weil viele kleine Beiträge womöglich realistischer umzusetzen sind als wenige große. 

Divestment aus fossilen Energien

Changes in the atmospheric level of carbon dioxide, the biggest contributor to global warming, persist for centuries. So it is useful to imagine that mankind has a fixed carbon budget to burn through. Pierre Friedlingstein, a climatologist at Exeter University, calculates that if temperature rises are to be kept below 2°C, the world can probably emit about 3,200 gigatonnes of carbon dioxide in total. The tally so far is 2,000 gigatonnes. If annual emissions remain at present levels, the budget will be exhausted in just 30 years’ time. (Quelle)

Wenn man davon ausgeht, dass wir ein relativ fixes „CO2-Konto“ haben, das wir emittieren können, bevor die Klimaerwärmung bedrohliche Ausmaße annimmt, folgt daraus ein recht simpler Gedanke, der allerdings bis vor Kurzem kaum öffentlich zu hören war: Ein Großteil der heute schon bekannten Reserven an fossilen Energieträgern müssen ungenutzt im Boden bleiben, weil ihre Förderung und Verbrennung unweigerlich dazu führen würde, dass wir das CO2-Konto „überziehen“.

Der britische Guardian hat aus dieser Erkenntnis den ungewöhnlichen Schritt abgeleitet, als Zeitung eine Kampagne zu starten mit dem Ziel, Geld aus der fossilen Energiebranche abzuziehen, so dass die Reserven der betreffenden Firmen an Wert verlieren und ihre Förderung damit unwirtschaftlich wird.

Die Kampange heißt „Keep it in the Ground“ und ist inzwischen in der zweiten Phase. Während die erste Phase versuchte, große Investoren dazu zu bewegen, ihre Gelder aus den fossilen Industrien abzuziehen, geht es in der zweiten Phase darum, positive Beispiele für den Einsatz erneuerbarer Energien zu zeigen und zu bewerben.

So eine Zeitungskampange kann man natürlich kritisch sehen, daher lohnt sich ein näherer Blick, z.B. mit folgenden Materialien:

Auch interessant ist ein Podcast, welche die Entwicklung der Kampange dokumentiert und sehr interessante Einblicke bereithält: The biggest story in the world.


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#COP21 (5/12) Welche Bücher helfen, den Klimawandel zu verstehen?

Bei komplexen Phänomenen kann es sich lohnen, eine zusammenhängende Darstellung zu lesen anstatt sich das Wissen häppchenweise und unstrukturiert zu erarbeiten. Sprich: Bücher.

Zwei, die sich meines Erachtens lohnen:

Buch 1

S. Rahmstorf/H. J. Schellnhuber:
 Der Klimawandel – Diagnose, Prognose, Therapie
Eine der zitierten Pressestimmen bringt es auf den Punkt:

„Kleines Büchlein, in dem aber alles steht, was man als eiliger Leser zum wissenschaftlichen (und politischen) Problem Klimawandel wissen muss. Zwei deutsche Koryphäen schreiben so, dass es jeder versteht.“

Buch 2

Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe und Harald Welzer (Hrsg.): Zwei Grad mehr in Deutschland. Wie der Klimawandel unseren Alltag verändern wird.
Ich finde das Buch absolut empfehlenswert und habe es hier im Blog schon vorgestellt, bei ZUM Buch rezensiert sowie eine Videorezension dazu erstellt.

Eine weitere Videorezension stammt von Schülerinnen aus unserem Seminarkurs Nachhaltigkeit:


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#COP21 (4/12) Wie wird sich der Klimawandel in Deutschland auswirken?

„Global Warming“ bedeutet, dass die globale Mitteltemperatur der Erde steigt. Das heißt jedoch nicht, dass es überall auf der Erde gleichmäßig wärmer wird. Das Klima ist eine sehr komplexe Kombination unzähliger Teilprozesse, die auf verschiedene Arten miteinander interagieren. Nicht alle Wechselwirkungen sind schon verstanden. Eine Erwärmung der Erde als ganzes kann sich also regional durchaus unterschiedlich auswirken. Was ist in Deutschland zu erwarten?

Das Portal KlimafolgenOnline macht zu dieser Frage konkrete Progonosedaten zugänglich.

Ziel des Portals ist es mögliche Folgen des Klimawandels in Deutschland für das Klima, die Land- und Forstwirtschaft, Bereiche der Hydrologie, der Energie, des Tourismus und der Gesundheit sichtbar zu machen.

Sie haben die Möglichkeit, eine Vielzahl von Parametern (z. B. Temperaturen, Ernteerträge, Waldbrandgefahr) zu betrachten. Generell liegen Daten für den Zeitraum 1901–2010 (beobachtete Daten) und 2011–2100 (Simulationsdaten) vor. […]

Ziel von KlimafolgenOnline ist eine integrierte Darstellung des Einflusses von Klimaänderungen auf die verschiedensten Sektoren wie Wasserwirtschaft, Land- und Forstwirtschaft, Energiewirtschaft, Tourismus, und Gesundheit. Die dazu vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) erarbeiteten Ergebnisse werden auf verschiedenen räumlichen Skalen für den Zeitraum von 1901 bis 2100 verfügbar gemacht. (Quelle)

Das Tool KlimafolgenOnline ist gut geeignet, die Konsequenzen in sehr unterschiedlichen Bereichen für einzelne Regionen anschaulich zu machen.


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#COP21 (3/12) Welche CO2-Bilanz haben verschiedene Verkehrsmittel?

Oft ist es gar nicht so leicht abzuschätzen, welche Konsequenzen das eigene Verhalten für das Klima hat. Wie viel CO2 emittiert ein Auto auf einer bestimmten Strecke? Ist Zugfahren klimafreundlicher? Meist hat man ein Bauchgefühl, aber selten konkrete Daten. Zumindest für die wichtigsten Verkehrsmittel schafft die Infografik: Verkehrsmittel und ihre CO2-Bilanz des Umweltministeriums Abhilfe.

Das Material ist für die Grundschule konzipiert und daher recht einfach gestaltet. Mit älteren Schülern könnte man noch weitere Fragen besprechen:

  • Wie wirken sich unterschiedliche Fahrgastzahlen auf die CO2-Bilanz aus?
  • Woher kommt der Strom für die Bahn? Wie wurde er erzeugt?
  • Welche Steuerungsmöglichkeiten hat und nutzt die Politik, um den CO2-Ausstoß eines Landes zu verringern?

 

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#COP21 (2/12) Was sind die klimatologischen Grundlagen des Klimawandels?

Wenn man über den anthropogenen Klimawandel und seine Bekämpfung nachdenkt, sollte man sich zunächst bemühen, die klimatologischen Grundlagen zu verstehen.

Was von der Sonne bei uns ankommt und was die Erde wieder abstrahlt, ist elektromagnetische Strahlung. Für das Verständnis des Klimawandels ist es wichtig, dass die Sonne sehr viel heißer ist als die Erde, was sich auf die Wellenlängen dieser Strahlung auswirkt. Details erklärt das WEBGEO-Modul Physik der Wärmestrahlung.

Natürlicher Treibhauseffekt

Sehr stark vereinfacht kann man sagen, dass ein Großteil der von der Sonne emittierten Strahlung eher kurzwellig ist (hauptsächlich ultaviolette Strahlung, sichtbares Licht und kurzwelliges Infrarot) während die viel kühlere Erde hauptsächlich längerwellige Strahlung abgibt (Infrarot).

Die Gase der Atmosphäre lassen die eher kurzwellige Strahlung der Sonne (solare Einstrahlung) in der Mehrzahl passieren. Lediglich das UV wird von der Ozonschicht größenteils absorbiert. Die Infrarotstrahlung, welche die Erde ins Weltall abgibt (terrestrische Ausstrahlung), wird jedoch von diesen Gasen viel stärker absorbiert und damit „zurückgehalten“ und auch zurückgestrahlt (atmosphärische Gegenstrahlung). Damit wirken diese Gase als „Treibhausgase“ und erzeugen so den natürlichen Treibhauseffekt. Der sorgt dafür, dass es auf der Erde warm genug ist, dass Wasser flüssig existieren kann und ist damit lebensnotwendig (ohne ihn wäre die globale Mitteltemperatur ca. -18 °C).

Details dazu erklärt die Seite Einstrahlung der Sonne – Ausstrahlung der Erde (Strahlungshaushalt), wie die Atmopshäre mit der Strahlung interagiert, kann man sehr anschaulich im WEBGEO-Modul Absorption solarer Strahlung in der Atmosphäre erkunden.

Den gesamten Zusammenhang haben einige meiner Schüler aus einem Neigungskurs Geographie in diesem Lernvideo erklärt (der hier konkret relevante Teil beginnt ab 4:25 min, am Ende driften sie inhaltlich etwas ab).

 

Weitere Lernvideos aus diesem Videoprojekt gibt es hier: Erklärvideos zu den Grundlagen der Atmosphäre.

Menschengemachter Treibhauseffekt

Bei der Diskussion um den anthropogenen Klimawandel geht es nun nicht um den natürlichen, sondern den so genannten anthropogenen Treibhauseffekt. Zu den genannten Treibhausgasen (die fast alle auch natürlich vorkommen), gehören u.a. Kohlendioxyd (CO2), Methan (CH4) und Lachgas (N2O). Da wir Menschen durch verschiedene Prozesse große Mengen dieser Gase in die Atmosphäre emittiert haben und das immer noch tun, verstärken wir den natürlichen Treibhauseffekt, so dass weniger Infrarotstrahlung ins Weltall entweicht, was auf der Erde im globalen Mittel zu einer Erwärmung führt.


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#COP21 (1/12) Klimawandel – Was ist der Stand der Dinge zu Beginn der Konferenz in Paris?

Heute beginnt die UN-Klimakonferenz in Paris. Einige Hintergründe zur Orientierung habe ich schon in einem Artikel in meinem Unterrichtsblog zusammen getragen. Ich halte diese Konferenz für besonders wichtig. Einerseits werden in den letzten Jahren mehr und mehr Auswirkungen des Klimawandels spürbar, andererseits scheinen Politiker auf vielen Seiten langsam bereit zu sein, ernsthafte Maßnahmen zu beschließen – zumindest sieht es im Vorfeld danach aus. Es lohnt sich daher, die Konferenz und das Thema Klimawandel in nächster Zeit im Bewusstsein zu halten. Daher wird es hier während der Konferenz jeden Tag einen kurzen Artikel dazu geben.


In den letzten Jahren waren mehrere Jahre das jeweils wärmste in einem längeren Messzeitraum. Zuletzt stellte das Jahr 2015 einen neuen „Rekord“ auf und war wiederum das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen.

Einen guten und aktuellen Überblick (bis 2014) gibt die NASA-Seite Global Temperature, wo es eine Temperaturkurve sowie eine Karte gibt.

This graph illustrates the change in global surface temperature relative to 1951-1980 average temperatures. The 10 warmest years in the 134-year record all have occurred since 2000, with the exception of 1998. The year 2014 ranks as the warmest on record. (Quelle).

Die Erde wärmt sich nicht gleichmäßig auf. Manche Regionen der Welt sind schon deutlich mehr als ein Grad wärmer geworden, andere sind kaum betroffen oder kühlen sich sogar ab, wie die folgende Karte der NASA zeigt.

Weltkarte Erwärmung

 

Erstmals wurde 2015 auch eine – zumindest für die Wahrnehmung von uns Menschen – signifikante Temperaturgrenze überschritten: 2015 war die globale Mitteltemperatur erstmals knapp mehr als ein Grad wärmer als zu vorindustriellen Zeiten. Zwar hatte El Niño als natürliches Phänomen Anteil daran, dennoch ist die Ein-Grad-Marke auch psychologisch wichtig.


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Klimakonferenz COP 21 in Paris

Die bevorstehende UN Klimakonferenz in Paris könnte ein wichtiger Meilenstein im Umgang mit dem Klimawandel werden. Natürlich ist sie auch in unseren Seminarkurs „Nachhaltigkeit“ Thema. Für unsere Schülerinnen und Schüler habe ich im begleitenden Unterrichtsblog einen Beitrag zur Orientierung geschrieben, der auch für die Leser hier interessant sein könnte:

Klimakonferenz COP 21/CMP 11 in Paris – Versuch einer Orientierung


[Update 30.11.2015]

Ich habe mich entschlossen, zur Konferenz eine Beitragsserie zu schreiben. Ein Artikel für jeden Tag der Konferenz. Die Idee ist, dabei verschiedene Aspekte des Klimawandels darzustellen und so eine möglichst breite Perspektive zu erhalten.

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Blogprojekt: Seminarkurs zur Nachhaltigkeit

Dieses Schuljahr leite ich mit einer Kollegin zusammen einen Seminarkurs zum Thema „Nachhaltigkeit“. Der Seminarkurs beinhaltet in Baden-Württemberg, dass man sich einem Thema fachübergreifend nähert, am Ende eine Seminararbeit erstellt, diese in einer Art mündlichen Prüfung präsentiert und sich einem Kolloquium stellt. Die Kurszeit wird dazu verwendet, einerseits fachliche Grundlagen zu erarbeiten und andererseits propädeutisch die nötigen Fertigkeiten und Kenntnisse zu vermitteln, wie man ein Thema in einer wissenschaftlich orientierten Seminararbeit aufzubereiten. Daneben ist der Seminarkurs aus meiner Sicht aber auch eine tolle Gelegenheit, mit einer Gruppe von Schülern, die schon recht „groß“ sind (16 – 17 Jahre), zum Kursthema etwas Sinnvolles auf die Beine zu stellen.

In diesem Sinne möchten wir die Aufmerksamkeit für das Thema „Nachhaltigkeit“ in unserer näheren und ferneren Umgebung erhöhen, da der Begriff zwar in aller Munde ist, konkretes Handeln aber oft ausbleibt. Neben einer geplanten Ausstellung im Schulumfeld bloggen unsere Schülerinnen und Schüler daher auch. Alle ein bis zwei Wochen schreibt jede/r einen Blogpost zu unterschiedlichen Nachhaltigkeitsthemen.

Das regelmäßige Schreiben ist einerseits Übung für das Verfassen der Seminararbeit, andererseits thematisieren wir natürlich auch, wie sich Texte im Netz vom Text einer wissenschaftlichen Arbeit unterscheiden und schließlich sollen die Schüler auch lernen, wie man mit einem Blog umgeht.

Zu diesem Zweck habe ich ein neues Blog eingerichtet, das mir auch in Zukunft für Blog-Projekte rund um den Unterricht dienen soll und daher unter dem Titel Unterrichtsblog läuft. Aktuell schreiben dort aber nur die Schülerinnen und Schüler des Seminarkurses Nachhaltigkeit.

Eine Auswahl aktueller Blogposts

Nach sechs Wochen sind schon zahlreiche Beiträge dort gepostet worden:

Wir freuen uns natürlich über viele Leser und Kommentare. Da ein Blog am Anfang seiner Lebenszeit in der Regel schleppend anläuft und wenig Aufmerksamkeit bekommt, wäre es schön, wenn möglichst viele Leser dieses Blogs unsere Posts zum Thema Nachhaltigkeit weiter tragen und vielleicht sogar kommentieren würden. Denn die Schreibmotivation der Schüler steigt natürlich, wenn man sieht, dass die Posts auch Leser finden.
Vielen Dank dafür!

Faktenwissen in Zeiten des Internets

Kürzlich bin ich durch Lars Reitze auf einen Tweet von Alice Keeler, einer US-amerikanischen Lehrerin, aufmerksam geworden.

 

Lars’ Kommentar dazu war:

Wenn man praktisch immer Zugriff auf das Internet und damit auf fast das komplette „Wissen“ der Welt hat, muss man keine Fakten mehr wissen, denn man kann ja bei Bedarf schnell nachschauen. Diese Haltung wird seit einigen Jahren häufig vertreten und propagiert, auch von vielen netzaffinen Lehrern. Das geht so weit, dass der Begriff „Faktenwissen“ schon beinahe ein Schmähbegriff geworden ist, ein Symbol für das „alte verkrustete System“.

Ich halte diese Position für falsch. Ich denke, es ist in Zeiten des fast ubiquitär verfügbaren Internets genauso wichtig, wenn nicht sogar noch wichtiger als „früher“, so viel wie möglich selbst zu wissen. Weiter lesen …

Das Netz als Quelle für Ideen und Materialien für den Unterricht

Ein junger Kollege im Referendariat fragte mich vor einiger Zeit, wie ich es anstelle, neben der konkreten Vorbereitung des Unterrichts bei vollem Deputat auch noch Zeit für die Erweiterung des eigenen Pools von Ideen und Materialien zu haben. Dieser Beitrag stellt einige Methoden vor, wie ich das für mich organisiert habe.

Viele der hier beschriebenen Methoden basieren auf der Verwendung bestimmter Software. Meines Erachtens lässt sich aber bei allen Methoden ein Prinzip herauslesen, das man auch auf einem anderen Betriebssystem mit anderen Programmen umsetzen kann. Für mich sind die gezeigten Dienste und Programme die erste Wahl (meist nach ausgiebigem Ausprobieren verschiedener Optionen), aber es geht hier nicht primär um die Software, sondern um das methodische Vorgehen, daher habe ich an vielen Stellen potentielle Alternativen angegeben. Weiter lesen …

Anbindung eines DokuWikis via LDAP an die paedML Linux 6

Vor einiger Zeit bekamen wir einen neuen Schulserver und damit auch eine neue Serverlösung zur Verwaltung unserer Schulrechner. Es kommt nun die so genannte Pädagogische Musterlösung des Landes Baden-Württemberg Version 6/Linux (paedML 6 Linux) zum Einsatz. Neben der Verwaltung der Rechner benutzen wir die paedML auch für die Authentifizierung von Benutzern an verschiedenen Zusatzdiensten, z.B. für den Zugriff auf die verschiedenen Bereiche des Intranets oder auf Moodle Kurse. Die Anbindung dieser Dienste ist mit LDAP realisiert.

Im Zuge der Umstellung auf die paedML 6 musste auch die Anbindung unseres DokuWiki -Intranets und unserer bei Belwue gehosteten Moodle-Installation angepasst werden. Aus meiner Sicht ist diese Anbindung einerseits extrem praktisch, weil so der zentrale Benutzerstamm, der auf dem Schulserver ohnehin gepflegt werden muss, auch für diese externen Dienste benutzt werden kann. Damit muss man nur einen Datensatz pflegen. Andererseits ist die Anbindung der verschiedenen Dienste für mich jedes Mal etwas heikel, weil die Dokumentation dafür meist dünn und oft lückenhaft ist und weil ich mich zu wenig damit auskenne, um wirklich souverän damit umgehen zu können, wenn etwas nicht klappt. Da es anderen möglicherweise genauso geht, dokumentiere ich hier unseren Ansatz der LDAP-Anbindung an die paedML 6 Linux, um das Gefrickel für die Zukunft vielleicht etwas zu mildern.

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