Schulisches Wissensmanagement mit DokuWiki

In letzter Zeit machten sich Florian Emrich und Niklas Tervooren über Wikis als Werkzeuge zum Wissensmanagement an Schulen Gedanken. Florian stellt in seinem Beitrag das Wiki-Setup seiner Schule vor und fragt am Ende, ob es noch mehr Leute gäbe, die damit Erfahrung hätten. Hiermit möchte ich meine bisherigen Erfahrungen gerne beisteuern.

DokuWiki als Schulintranet

Seit etwas mehr als zwei Jahren haben wir an meiner Schule ein DokuWiki als Schulintranet in Betrieb. Es gibt einen Lehrer- und einen Schülerbereich, beide sind nur mit dem jeweiligen schulischen Login zu erreichen. Lehrer haben Zugriff auf den Schülerbereich, Schüler natürlich umgekehrt nicht.

Der Zugriff erfolgt verschlüsselt über https, zur Authentifizierung der Benutzer greift das Wiki auf den LDAP-Dienst unseres Schulservers zu und fragt dort ab, ob der betreffende Benutzer bekannt ist und in welcher Benutzergruppe er sich befindet. Das ist praktisch, weil man so die Benutzerverwaltung nur ein Mal machen muss. Bei ca. 60 Kollegen und ca. 500 Schülern wäre es anders auch kaum realisierbar. DokuWiki bringt das LDAP Modul bereits mit, die Konfiguration mit unserem Schulserver, auf dem eine Linux Musterlösung läuft, habe ich mit Hilfe einer entsprechenden Anleitung für Moodle hinbekommen.

Lehrerbereich

Auf der Startseite des Lehrerbereichs gibt es ein »Dashboard«:

  • Kalender,
  • große Buttons, die zu häufig benutzen Funktionen führen,
  • die Telefonnummer für Krankmeldungen.

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Darunter folgt eine Übersicht von Bereichen nach zwei Ordnungsprinzipien: In der linken Spalte sind Dinge aufgelistet, die zu einer bestimmten Zeit im Schuljahr relevant werden, auf der rechten Seite sind dauerhaft wichtige Seiten verlinkt.

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Inwiefern der Zugang über diese Linkliste genutzt wird, kann ich nicht sagen. Das Intranet hat inzwischen über 280 einzelne Wiki-Seiten, so dass ich persönlich praktisch alles nur noch über die Suchfunktion aufrufe.

Verschiedene Unterbereiche für die Lehrer sind:

  • Adressen: eine ± vollständige und ± aktuelle Liste der Kollegen unserer Schule mit den Kontaktangaben, die jeder einzelne anzugeben bereit ist. Die Eintragung auf dieser Seite wird von jedem einzelnen vorgenommen. Dies ist demnach die einzige Seite im Intranet, auf der alle Kollegen Bearbeitungsrechte haben. Eine Anleitung, wie man sich einträgt oder eine Angabe ändert, gibt es natürlich direkt auf der Seite.
  • Organisatorisches: Links zum Buchungssystem für Räume, Klassenarbeiten, Beamer etc. (einschließlich der Anleitungen dazu), Informationen zur Lernmittelverwaltung, zum Krisenplan, zur Aufgabenverteilung, zur Planung von außerunterrichtlichen Veranstalgungen etc. Auch: Organisation für Mitfahrgelegenheiten, Kollegensport.
  • Rund um den Unterricht: Informationen und Absprachen zur Notengebung (u.a. die Kriterien, die jede Fachschaft für die Bewertung von GFS und mündlichen Noten festgelegt hat), Links zu verschiedenen Aspekten von Verhalten und Disziplin (z.B. Schulordnung, Hausordnung, Verhängung von Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen), Tipps und Materialien zur Elternarbeit etc.
  • Klassenlehrer: Checkliste und Hinweise zum Schuljahresbeginn, Regelungen zur Beurlaubung von Schülern, Vorbereitung von Notenkonferenzen, Organisation von Wandertagen (inkl. einer gemeinschaftlich gepflegten Liste möglicher Ziele mit Kontaktadressen)
  • Besondere Phasen des Schuljahres: Zusammenstellung von Links und Materialien z.B. zum Schuljahresbeginn, zur Einschulung der Fünftklässler, zum Abitur, zum Berufspraktikum, zum Schuljahresende etc.
  • Dokumentation besonderer Aufgaben: z.B. Netzwerkbetreuung, Organisation des Berufs- und des Sozialpraktikums, Anleitungen für den IT-Bereich.
  • Schulentwicklung: Materialien einzelner Fortbildungen, Materialien und Ergebnisse einzelner pädagogischer Tage etc.
  • Fachschaften: Einige wenige Fachschaften organisieren sich über das Wiki. Der Personalrat stellt hier auch Infomaterialien zur Verfügung.

Besonders wichtig ist aus meiner Sicht die »Dokumentation besonderer Aufgaben«. Unter anderem, weil wir dort über die letzten zwei Jahre eine Menge Anleitungen zu vielen Themen rund um die Computer-Infrastruktur erstellt haben. Wann immer jemand etwas fragt (»Wie kann ich mein Passwort zurücksetzen« und Ähnliches), reicht es meist, einen Link zu einer Intranetseite zu schicken. Außerdem haben die Kolleginnen, die das Berufs- und das Sozialpraktikum organisierten, hier hervorragende Dokumentationsarbeit geleistet. Inzwischen sind beide in Elternzeit und die Nachfolgerinnen konnten aufgrund der Dokumentation nahtlos einsteigen.

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Insgesamt arbeiten ca. zehn Kollegen aktiv im Intranet mit. Diese sind in einer Gruppe »Intranet-Redakteure«, die Bearbeitungsrechte hat (im Gegensatz zum restlichen Kollegium, das bis auf wenige Seiten nur Leserechte hat). Für die Redakteure habe ich konzeptionelle Hinweise und eine technische Anleitung erstellt, mit der sie sich in das Wiki einarbeiten konnten. Da beide nur intern zugänglich sind, stelle ich die konzeptionellen Hinweise hier als PDF zur Verfügung, die technische Anleitung ist praktisch identisch mit der Anleitung in meinem Schülerwiki, wo sie öffentlich zugänglich ist.

Schülerbereich

Im Schülerbereich gibt es einige organisatorische Hinweise, Links zur Schulordnung und Hausordnung, Übersicht über die Verteilung von A- und B-Wochen (für 14-tägige Kurse).

Außerdem werden in bestimmten Klassenstufen, in denen das bereits genannte Berufs- und das Sozialpraktikum durchgeführt werden, die Informationen und die Anmeldung dazu über das Intranet organisiert. Diese Informationen stehen dann nur den jeweiligen Klassen zur Verfügung, der Rest der Schüler sieht sie nicht.

Für die Kursstufe gibt es die Regelungen zum Entschuldigungswesen, die Klausurenpläne sowie – zu gegebener Zeit – die Abiturtermine und -formalia.

Fazit

Unser Intranet scheint ein zentraler Punkt im Schulalltag zu sein. Ich sage »scheint zu sein«, weil ich nicht einschätzen kann, wie oft darauf zugegriffen wird und wie wichtig die Kollegen diese Informationen finden. (Das wollte ich irgendwann mal abfragen, aber da es zwar vielleicht wichtig, aber nicht dringlich ist, hab ich es bisher noch nicht gemacht). Und natürlich läuft auch bei uns noch vieles redundant über mehrere Kanäle.

Für mich und für einige andere Kollegen sind die Anleitungen besonders wichtig, weil sie uns viel individuelle »Betreuungsarbeit« sparen und außerdem den personellen Wechsel in einzelnen Bereichen stark erleichtert haben. Ein Beispiel ist der Einstieg neuer Kollegen: Diese erhalten mit ihren Zugangsdaten (der Text des »Willkommen-Briefes« ist als Vorlage ebenfalls im Intranet hinterlegt) zwei URLs von Wiki-Seiten, auf denen die Grundlagen der IT-Infrastruktur erklärt werden (Welche Systeme gibt es? Welches Passwort gilt wo? Wie bucht man Räume? Wer ist für was zuständig? etc.). Das mussten wir früher alles mündlich und mehrfach kommunizieren, was eine Menge Pausenzeit gebunden hat. Die Anleitungen schaffen damit Freiräume und sorgen außerdem dafür, dass bei einer bestimmten Aufgabe auch bei personellem Wechsel kein Start von Null nötig ist.

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