Lernen & Lehren

Neues Projekt: Bloggende Schüler, Blog-Tipps vom Lehrer

In den letzten Monaten hat sich mein Blog-Verhalten stark verändert. Während ich früher eher Unterrichtsmaterial und Links gepostet habe, bin ich in letzter Zeit mehr dazu übergegangen, eigene Erfahrungen, Ideen und Tipps zu posten. Außerdem nehme ich viel aktiver als früher an Diskussionen in anderen Blogs teil. Kurz gesagt: aus der Phase der Einbahnstraßen-Blog-Einsiedelei bin ich die Phase der diskursiv-entwickelnden Blog-Aktivität übergegangen – und davon habe ich enorm profitiert. Ich habe mir durch das Lesen von Blog-Posts in den lezten Monaten sehr viel mehr und intensivere Gedanken zu vielen Aspekten meines Berufs gemacht als vorher. Außerdem habe ich viele, viele Ideen für den Unterricht und die Gestaltung von Schule aufgeschnappt, die nun inkubieren und darauf warten, bei passender Gelegenheit ausprobiert zu werden.

Eine solche Idee: Wenn ich davon profitiere, meine (teils unfertigen) Gedanken öffentlich zu notieren und zu entwickeln, könnte das auch für meine Schüler sinnvoll sein.

Projekt: Schülerblogs + Lehrer-Begleitblog

Daher habe ich dieses Schuljahr einer Gruppe von Schülern angeboten, das im Fach Naturwissenschaft und Technik übliche Lerntagebuch als Blog zu führen. Unser Thema ist „Weinbau“. Aus einer Lerngruppe von elf Schülern haben alle sieben Jungs das Angebot angenommen, alle Mädchen bevorzugen weiterhin das papierne Lerntagebuch („Portfolio“).

Zwei der Jungs kannten sich schon etwas mit Blogs aus und haben eine eigene Wordpress-Installation eingerichtet, der Rest hatte bisher noch keine Blog-Erfahrung und hat sich auf meinen Rat hin einen Account bei Wordpress.com eingerichtet. Die technischen Aspekte haben wir in der ersten Doppelstunde geklärt. Um das Projekt rechtlich abzusichern, habe ich angeboten, dass die Schüler im Impressum meinen Klarnamen („verantwortlicher Lehrer“) und die Postadresse der Schule angeben und dazu jeweils ihren Nickname mit dem Hinweis „bloggender Schüler“. Alle Schüler verwenden ausschließlich diesen Nickname in den Blogs (auch, wenn sie aufeinander verweisen). Schließlich habe in einem Elternbrief die Zielsetzung und den organisatorischen Rahmen der Aktion erläutert und das Einverständnis der Eltern eingeholt, dass ihre Kinder ein Blog führen.

Zusätzlich habe ich ein eigenes neues Blog gestartet: Blog as you teach. Zum einen möchte ich selbst Erfahrungen mit Wordpress.com sammeln, denn mit dieser Plattform kenne ich mich bisher wenig aus (alle meine eigenen Projekte wie dieses hier, andreas-kalt.de und die Website meiner Schule laufen auf Textpattern. Zum anderen möchte ich den Schülern verschiedene Tipps und Hilfen geben, um ihnen den Blog-Einstieg zu erleichtern. Bisher habe ich erst wenige Beiträge dort gepostet. Es ist aber geplant, das sukzessive auszubauen, wie es die Zeit erlaubt (ein schöner Nebeneffekt: Bloggen wird dabei tatsächlich teilweise zur Unterrichtsvorbereitung).

Zwischenstand

Das Projekt läuft nun etwas mehr als drei Wochen. Nach anfänglich etwas holprigen Posts haben alle Schüler-Blogger inzwischen einige grundlegende Tipps beherzigt, so dass die Posts von dieser Woche sich schon sehr gut sehen lassen können, wie ich finde. Hier die einzelnen Schülerblogs:

Noch kein Fazit

Für eine Beurteilung des Projekts ist es für mich noch zu früh. Aber eines wird aus meiner Sicht schon deutlich: der Schreibstil und die Fokussierung auf ein Thema haben sich schon in den ersten drei Wochen deutlich verbessert. Ich hoffe, dass wir daran weiter arbeiten können, so dass die Schüler in ihren Blogs tatsächlich eine angemessene Ausdrucksform entdecken.

Kommentare bitte!

Ein wichtiger Aspekt der Schülerblogs ist natürlich die Öffnung der Kommunikation nach außen. Auch wenn das Thema „Weinbau“ recht speziell ist, würde ich mich sehr freuen, wenn Kommentare von Lesern auch bei den Schülerblogs landen würden. Vielleicht habt ihr ja Anregungen zum Thema oder eigene Erfahrungen mit dem Blog-Einstieg oder einfach nur aufmunternde Kommentare zum Projekt.

Habt Ihr schon eigene Blog-Projekte mit Schülern durchgeführt? Wie seid Ihr es angegangen? Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht? Welche Ressourcen könnte ich den Schülern noch empfehlen? Ich freue mich über Kommentare.

18. Oktober 2009Stichwörter: , , , , , , , , , , ,
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Kommentare Kommentar-Feed zu diesem Beitrag

Hokey schrieb am 19 Oktober 2009, 13:43 h    # 

Weinbau… soso. Gibt’s am Ende auch eine Weinprobe? ;-)

Andreas Kalt schrieb am 19 Oktober 2009, 14:01 h    # 

Nein – die sind am Ende der Unterrichtseinheit alle noch nicht 18 ;-)

Wolfgang schrieb am 19 Oktober 2009, 16:35 h    # 

Hallo Andreas,
ich habe ein paar Blogprojekte mit Schülern durchgeführt, mit allen Risiken und Nebenwirkungen. Wenn du sie dir anschauen möchtest: Bei diigo.com habe ich sie mit ‚schülerbloggen‘ vertaggt.
Es ist mir aber noch nicht gelungen, Schüler dazu zu bringen, Blogs, social bokkmarking o.ä. als eigene Lernumgebung zu nutzen.

Thorsten S. schrieb am 19 Oktober 2009, 22:06 h    # 

Moin Andreas!

Dein Projekt werde ich ab sofort verfolgen! Ich wundere mich über die Motivation bei Deinen Schülern. Wie ermunterst Du deine Schüler? Gibst Du konkrete Arbeitsanweisungen?
Ich habe im Moment ein eigenes kleines Projekt mit einer Firmgruppe (außerschulisch) am laufen und eine Menge Motivationsprobleme. Wenn es Dich interessiert, kannst Du ja mal vorbeischauen: stwillehadoldenburg….

Freundliche Grüße aus Oldenburg
Thorsten

Andreas Kalt schrieb am 19 Oktober 2009, 22:22 h    # 

@Thorsten
Bezüglich Motivation: jeder ist verpflichtet pro Woche einen Beitrag und einen Kommentar zu schreiben. Die Mitschüler, die das Portfolio auf Papier führen, müssen eben auch jede Woche einen Rückblick/Reflexion verfassen, so dass das schon aus Fairnessgründen auch die Blogger als Pflichtaufgabe haben.

Darüber hinaus kommentiere ich die Beiträge selbst und bespreche ca. 1 Mal pro Woche verschiedene Themen wie z.B. Schreibstil, Themenauswahl etc. Außerdem sind die Schüler natürlich angehalten, meine Blog-Tipps zu lesen und umzusetzen.

Die Blogs werden am Ende auch benotet.

Thorsten S. schrieb am 20 Oktober 2009, 10:03 h    # 

Ok, die extrinsische Motivationsmöglichkeit habe ich leider in den Maßen nicht.
Haben sich Deine Schüler ggf. mal selber dazu geäußert, ob ihnen diese Form gefällt oder nicht?

Ich schaue mir noch einmal die einzelnen Blogs und Deine Blog-Tipps an…
Gruß
Thorsten

Andreas Kalt schrieb am 20 Oktober 2009, 17:53 h    # 

@Thorsten: bisher habe ich noch keine Rückmeldung eingeholt, ob den Schülern das Bloggen besser gefällt als das Schreiben ihres Portfolios. Die Sache läuft ja erst seit drei Wochen.

Ich werde aber sicher berichten, wenn ich ein Resümee ziehen kann.

Coaching Köln schrieb am 21 Oktober 2009, 13:39 h    # 

Ich muss Ihnen generell ein Kompliment machen, dass Sie Ihren Schülern diese Art von virtuellem Lernen anzubieten. Ich bin ebenfalls sehr interessiert an den Ergebnissen Ihrer Idee.
Vielleicht würde diese Idee auch generell in Schulen mehr Zuspruch finden.
Durch die Noten stellen Sie zudem sicher, dass Blogger und Portfolio-Schreiber gleich behandelt werden.
Wenn ich eine persönliche Meinung einbringen müsste, würde ich darauf tippen, dass die Blogberichte der Schüler nicht so detailliert und gut sein werden wie die Portfolios.
Aber warten wir erstmal ab!

Ralf Appelt schrieb am 21 Oktober 2009, 16:33 h    # 

Hallo ANdreas,

ich habe zwar nicht mit Schülern, aber mit Studierenden gemeinsam Blogs in einem Seminar eingesetzt. Eine kleine Auswertung meines ersten Seminars damit gibt es hier: SoSe08
Im nächsten Semester sah das Konzept folgendermassen aus: WiSe08/09 und im letzten Semester so: SoSe09
Insgesamt habe ich den Eindruck, dass Motivation und Nutzen davon abhängen ob man „Fackelträger“ im Seminar bzw. der Klasse hat, so wie Deine zwei Schüler. Sie zeigen dem Rest der Klasse/des Seminars das nicht nur der Lehrer/Dozent irgendwelche „magischen Kräfte“ hat mit denen man soetwas angehen kann. Ist die technische Hürde überwunden, so kommt die Frage nach dem sinnvollen Einsatz. Dein Vorteil ist das Deine Schüler bereits gewohnt sind ein Lerntagebuch zu führen. Das vermisse ich bei den Studierenden oft. Die Vorteile der Portfolioführung in einem (Wordpress)Blog im Vergleich zu einem Word Dokument oder Stift und Papier werden sicher schnell deutlich.
Ich bin großer Fan offener Portfolios, das hat in der Schule sicher noch eine ganz andere Brisanz als an der Uni. Deshalb halte ich es zu Beginn immer für wichtig diese „Think before you post“ Filme anzuschauen und das Thema öffentlich vs. geschlossen zu behandeln. Ansonsten bin ich sicher das es bei Dir und Deinen Schülern interessante Ergebnisse gibt was die Arbeit mit den Blogs angeht. Ich bleibe gespannt.

Grüße aus Hamburg,
Ralf

Mattthias Heil schrieb am 21 Oktober 2009, 21:09 h    # 

Spannendes Projekt, das ich schon seit Beginn beobachte. Grundsätzlich würde ich ähnlich verfahren, evtl. mit einem Rubric von vorneherein Gütekriterien formulieren, so dass die Kids von Anfang an z.B. eine Rechtschreibkorrektur benutzen… evtl. hätte ich auch selbst den Blog angelegt und die jungen Lernenden dann über verschiedene Kategorien ihren Raum gegeben. Und schließlich würde ich statt eines wohl drei Kommentare fordern, um den Austausch entschiedener anzukurbeln…

Andreas Kalt schrieb am 21 Oktober 2009, 21:37 h    # 

Danke für Eure Rückmeldungen bisher.
Auf dem Vorschlag von Matthias hin, habe ich im ZUM-Wiki eine Wiki-Seite angelegt, um Bewertungskriterien zu erarbeiten

Ich würde mich freuen, wenn Ihr Eure Ideen darin einbauen würdet.
Danke im Voraus.

Christian Spannagel schrieb am 21 Oktober 2009, 21:40 h    # 

Tolle Sache!

Insbesondere deine Impressums-Idee (betreuender Lehrer/bloggender Schüler) finde ich super. Das sind ja immer so die nervigen Probleme, die einem Schwierigkeiten machen, und ich finde, du hasts gut gelöst!

Fenja schrieb am 21 Oktober 2009, 22:17 h    # 

Hallo!

Ich finde, dein Projekt ist eine wirklich schöne Idee. Schließlich vereint es den Erwerb zahlreicher Kompetenzen.

Zu Thorsten S. („Ich wundere mich über die Motivation bei Deinen Schülern. Wie ermunterst Du deine Schüler?”) wollte ich noch sagen: Genau durch solche Projekte. Die Motivation der Schüler hängt für mich auch ganz erheblich von der echten Motivation der Lehrenden ab. Also eine klasse Idee, die sicherlich auch für dich als Lehrer zeitintensiv ist – Respekt!

Christian Spannagel schrieb am 21 Oktober 2009, 23:02 h    # 

Zur Motivationsfrage: Man kann Umgebungen „basteln, die selbstbestimmte Formen der Motivation fördern. Ich hab das mal mit Weblogs und Studierenden ausprobiert und das Ganze hier beschrieben:
tinyurl.com/yjkak4e
Ob das in dieser Form auch mit Schülern klappen würde, weiß ich nicht. Müsste man mal ausprobieren. ;-)

Andreas Kalt schrieb am 21 Oktober 2009, 23:11 h    # 

Danke Christian. Ich hab den Artikel runtergeladen und werde ihn demnächst mal lesen.

victoria schrieb am 26 Oktober 2009, 15:21 h    # 

ich mag diese webseite!!!!
ich habe hier geübt und habe eine 1 n englisch gekriegt !!! danke danke danke!!!

victoria schrieb am 26 Oktober 2009, 15:37 h    # 

ich verstehe leider die komplizierten wörter nicht
es kann warscheinlich liegen das ich eine austauschschülerin bin! aus england!!

VICTORIA JOSEPHINE MC ELLAND SHAKESPARE schrieb am 26 Oktober 2009, 15:48 h    # 

Seid ihr eigentlich lehrer??
ihr wisst doch ich bin eine austauschschülerin aus england und frage zu vieL!!!!!
SORRY I HAVE TO MUCH QUESTIONS!!!!!

victoria JOSEPHINE MCELLAND SHAKESPARE schrieb am 26 Oktober 2009, 15:53 h    # 

THANKS
THANKS
THANKS

michelle schrieb am 26 Oktober 2009, 15:56 h    # 

BONJOUR
TUT APELLES COMMENT´
JE´ M APELLE MADEMOISELLE MICHELLE JE SYMPA……….
oui devoir de garcon ou de fille

au revoir

Coaching Kompetenz schrieb am 28 Oktober 2009, 11:38 h    # 

Hallo,
gibt es schon Neuigkeiten bezüglich der Ergebnisse des Experiments? Verfolge diese Idee mit überaus hohem Interesse.

amadeus 27 schrieb am 7 November 2009, 16:44 h    # 

Hallo,
ich finde ihre Idee mit dem Blogs sehr gut, da ich vorher noch nie mit Blogs gearbeitet habe. Es ist eine vollkommen neue Erfahrung, die Probleme bzw. Fortschritte aus dem Unterricht mit anderen teilen zu können, evt. auch anderen weiterhelfen zu können.

Ich habe mich auch bereits über ein paar Rückmeldungen freunen können, die nicht von meinen Mitschülern sind, was natürlich besonders aufbaut (Stolz!).

Ich hoffe das sie aus dem Experiment ein gutes Resultat ziehen können und auch mit der nächsten Klassenstufe Blogs führen.

Lg Amadeus27 (bloggender Schüler)

Andreas Kalt schrieb am 7 November 2009, 17:55 h    # 

Amadeus27, you made my day :-)

ds94 schrieb am 13 November 2009, 09:44 h    # 

hallo Herr Kalt!

Ich finde ihren Vortrag sehr gelungen. Seit dem ich mit dem Bloggen angefangen habe, fällt es mir viel leichter mein Wochenrückblick zu schreiben.
Bis zur nächsten Unterrichtsstunde!

ds94

Katharina schrieb am 11 Januar 2010, 00:31 h    # 

Schön zu sehen, dass PC und Internet an den meisten Schulen Projektthema sind oder ganz selbstverständlich unterrichtsbegleitend eingesetzt werden.
Ich habe da leider andere Erfahrungen gemacht, obwohl meine Schulzeit erst 8 Jahre zurückliegt. Mein Biologielehrer (der wahrscheinlich/offensichtlich selbst noch nie online gewesen war) war z.B. der Meinung, dass (alle?!) Quellen aus dem Internet nicht überprüfbar seien und die Nutzung dieses Mediums als Informationsbeschaffung grundsätzlich einen unkritischen Umgang mit Informationen mit sich bringe, anstatt zu begreifen, dass das Herausfiltern von seriösen, sachlichen und hilfreichen Informationen aus einer Informationsflut für Schüler mittlerweile zu einem wichtigen Lernziel geworden ist und sich das Internet dabei hevorragend zum Üben eignet! Gerade mit pädagogischer Unterstützung/Kontrolle kann die ergänzende Nutzung des Internets zu sozialen und oder informativen Zwecken doch nur gewinnbringend sein. Ich hoffe, heutzutage freut sich JEDER Lehrer, wenn ein Schüler das Internet zum Nachschlagen, Lernen und auch zur Beschaffung aktueller Entwicklungen und Erkenntnisse nutzt und sich nicht mit dem vielleicht einzigen Buch aus den 70ern zufrieden gibt, das er zu seinem Referatsthema in der Schul- oder Dorfbücherei gefunden hat. ;-)
Viele Grüße,
Katharina

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