Getting Real in der Schule: Less Software

Less Software

Keep your code as simple as possible.

You’d think that twice as much code would make your software only twice as complex. But actually, each time you increase the amount of code, your software grows exponentially more complicated. […]

Less software is easier to manage.

For every feature that makes it into your app, ask yourself: Is there a way this can be added that won’t require as much software?

Der Programmierer schreibt Programmcode und trifft dabei ständig Entscheidungen. Für jede Aufgabe, die ein Programm lösen soll, gibt es verschiedene Lösungswege. Und jeder einzelne hat andere Konsequenzen für den Rest des Programms. Option eins löst die gestellte Aufgabe möglicherweise sehr präzise, erfordert aber viele Stunden Programmierarbeit und braucht beim Ausführen eine Menge Speicher. Eine andere Lösung ist vielleicht deutlich „grober“, ist aber in ein paar Minuten programmiert und belastet den Speicher weniger. Welche Lösung zum Einsatz kommt, muss der Programmierer entscheiden. Und die Summe dieser Entscheidungen wirkt sich spürbar auf die Qualität des Programms und seine Benutzerfreundlichkeit aus.

Was hat das mit der Schule zu tun? Auch Lehrer treffen täglich viele Entscheidungen. Sie erleben Schülerpersönlichkeiten und entscheiden, wer welche Rückmeldung, Hilfestellung, Förderung, Korrektur oder Ermahnung erhält. Sie setzen den Schülern Regeln, die dazu dienen, den Unterrichtsablauf zu „managen“ und sie entscheiden, wann sie welche Regel mit welcher Konsequenz einfordern. Sie erstellen Klassenarbeiten und entscheiden, was, wie und in welchem Umfang geprüft wird. Sie bewerten Leistungen und entscheiden, inwieweit sie den Erwartungen entsprechen. Auch hier wirkt sich die Summe der Entscheidungen spürbar auf die Qualität der Arbeit aus.

Wenn man viele Entscheidungen treffen muss, ist es gut, wenn man ein paar grundlegende Prinzipien hat. Ansonsten läuft man Gefahr, einen unüberschaubaren Dschungel von Regelungen und Lösungen zu produzieren. Dieser verfehlt dann sein Ziel, den Ablauf der Unterrichtsarbeit zu strukturieren. Stattdessen muss man viel Zeit mit der Verwaltung der Regeln verbringen und hat weniger Zeit für die eigentliche Arbeit.

Less Software kann dem entgegewirken. Für die Schule umformuliert, könnte man knapp sagen: „Weniger Detailregelungen, mehr Grundlegendes“. Es ist besser, den Alltag mit wenigen einfachen und weitgreifenden Vorgaben zu strukturieren als viele detaillierte und spezielle Strukturen zu schaffen. „Keep your code as simple as possible.“

Weniger Detailregelungen, mehr Grundlegendes.

Um sich im Alltag nicht in den Details zu verlieren, kann man wiederkehrende Aufgaben möglichst einfach und einheitlich strukturieren. Fügt man ein weiteres Detail hinzu, wird das gesamte Gebilde überproportional komplizierter. Denn die Strukturen und Regeln des Schulalltags sind miteinander vernetzt. Jede Änderung wirkt sich an mehreren Stellen gleichzeitig aus und macht daher das Management des Ganzen komplizierter, zeitaufwändiger und anstrengender. Eine spezielle Absprache mit der Klasse 7b „sickert“ zu den anderen Klassen durch, wo man dann ebenfalls über eine entsprechende Änderung diskutieren muss. Am Ende habe ich nicht nur Zeit und Energie in die Diskussionen gesteckt, ich muss mir auch merken, mit welcher Klasse ich zu welcher Einigung gekommen bin. „You’d think that twice as much code would make your software only twice as complex. But actually, each time you increase the amount of code, your software grows exponentially more complicated.“

Mögliche Ansatzpunkte für Less Software:

  • Vokabeltests sind immer nach dem selben Schema aufgebaut.
  • Für Klassenarbeiten gibt es (inhaltlich und formal) ein einheitliches Raster mit verschiedenen Optionen, das lediglich variiert wird. (Wenn man eine neue gute Idee hat—zum Beispiel einen bisher nicht verwendeten Aufgabentyp—wird sie in das Raster aufgenommen, um sie auch später einmal wieder einsetzen zu können. Für eine Einzellösung wäre eine wirklich gute Idee zu schade.)
  • Die Punktevergabe in Test und Klassenarbeiten ist einheitlich gestaltet, z.B. indem immer die gleiche Gesamtpunktzahl oder Vielfache davon verwendet wird.
  • Die Gewichtung der einzelnen Teilbereiche des Unterrichts (mündliche Beiträge, schriftliche Leistungen, Hausaufgaben etc.) ist so weit wie möglich über Fächer und Jahrgangsstufen hinweg einheitlich.
  • Regeln für Hausaufgaben, Verhalten im Unterricht, Leistungserwartungen etc. sind auf das Wesentliche reduziert, klar formuliert und schriftlich festgehalten.

Indem man das Prinzip Less Software anwendet, reduziert man den organisatorischen Aufwand. Man konzentriert sich jeweils ein Mal darauf, für einen Bereich eine gute Herangehensweise zu schaffen, hält diese fest und wendet sie anschließend an. (Wobei natürlich immer wieder praktische Erfahrungen korrigierend einfließen, siehe Rinse and Repeat.) Wichtig ist, die Regeln und Strukturen für sich und die Schüler schriftlich festzuhalten, so dass man im Zweifelsfall schnell und konkret darauf zurück greifen kann. Teilt man beispielsweise zu Anfang des Schuljahres seine Hausaufgabenregeln in schriftlicher Form aus, muss man nie wieder Diskussionen darüber führen, was man genau zur Erledigung der Hausaufgaben gesagt hat. Jeder Schüler ist selbst dafür verantwortlich, diese Regeln zu kennen. Kommt es zu einer Diskussion, reicht der Hinweis auf das Handout.

Die oben genannten Punkte fokussieren bewusst auf organisatorische Aspekte der Unterrichtsarbeit. Denn in diesem Bereich kann man eine Menge Zeit verbringen — und verschwenden. Viele Kollegen empfinden die organisatorische Arbeit als undankbar, oft lästig, denn man möchte sich lieber auf die gute Gestaltung des Unterrichts und die Arbeit mit den Schülern konzentrieren. Die pädagogische Arbeit ist dagegen für das Prinzip Less Software weniger geeignet. Im Umgang mit den individuellen Stärken und Schwächen der Schüler kommt es eben gerade auf die Details an. Um dafür die Zeit und Energie zu haben, sollte man sich die Details an anderer Stelle sparen.

Dieser Artikel ist Teil einer Serie. Um ihn einzuordnen, lesen Sie am besten den einleitenden Beitrag: Getting Real in der Schule

 

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