Lernen & Lehren

Erste Schritte mit Lernen durch Lehren (LdL) – eine Zwischenbilanz

Vor einiger Zeit habe ich über meine ersten Schritte mit Ldl berichtet. Nach einer intensiven „Anregungsphase“ via Twitter hatte ich mich entschieden, das Prinzip „Just do it“ anzuwenden und LdL einfach mal auszuprobieren. Da ich Elemente daraus ohnehin bereits im Unterricht praktizierte, fiel es mir nicht schwer, mich der Methode anzunähern.

Während der vergangenen vier Wochen kam LdL in meinem vierstündigen Geographie-Kurs (Klasse 12) zum Einsatz wobei ich die Schüler gebeten habe, mir während dieser Phase Rückmeldungen zu LdL aus ihrer Sicht zu geben. Dazu bot ich ein Feedback-Formular in unserer Lernplattform an. Insgesamt habe ich auf diesem Wege zwölf Schülerrückmeldungen erhalten. Darüber hinaus habe natürlich auch ich intensiv über dieses Experiment nachgedacht und bisher einige Einsichten gewonnen.

Positive Schüler-Rückmeldungen

Ich finde es eine gute Idee mit uns eine neue Lehrmethode auszuprobieren. Es ist auf jeden Fall interessant aus der Position des Lehrers in die Klasse zu sehen.


- man kann einfach frei heraus seine Meinung äußern oder nachfragen – die Klasse erarbeitet sich den Stoff selbst (intensiveres Mitdenken, der Stoff bleibt besser im Gedächtnis)


1. Gemeinschaft im Kurs wird „gestärkt“ soll heissen : Wir lernen selbstständig zu agieren (ohne dass der Tutor uns groß Angaben vorgibt ) und man verliert allmählich die Angst sich zu „blamieren“.


Ich fand es sehr gut, als die Ergebnisse an der Tafel notiert wurden, das gibt einem die Sicherheit etwas richtiges im Heft stehen zu haben.
Außerdem fand ich es gut, dass sie auch mal in den Unterricht eingegriffen haben, als wir nicht mehr weiter kamen oder uns um eine Definition/Wort „gedreht“ haben.


ich fand die erste stunde mit LdL sehr interessant und lehrreich. Das gemeinsame Diskutieren klärt Missverständnisse und hilft dabei gleich mit zu lernen.


Positiv ist natürlich, dass jeder mal zum Zug kommen darf und sich im Unterricht ohne eine gewisse Zurückhaltung, die man doch noch immer vor einem Lehrer hat, mit einbringen kann. Oder man stellt einfach nur eine Frage oder sagt einfach nur „Häähh !!!“.


Es werden mehr Fragen gestellt. Jeder darf seine Meinung abgeben.

Hier kommen die Punkte zur Sprache, die mir auch schon im Vorfeld als Vorteile von LdL genannt wurden:

  • größere Schüleraktivierung,
  • weniger Hemmungen, am Lernprozess mitzuarbeiten,
  • Entwicklung eines Gemeinschaftsgefühls als Lerngruppe etc.

Insofern haben sich die positiven Erwartungen an LdL bestätigt. Die genannten Punkte halte ich für sehr wichtig und daher für gute Argumente, mich weterhin mit LdL zu befassen.

Kritik der Schüler

Die Kritik der Schüler möchte ich in zwei Abschnitte aufteilen:

  1. Kritik nach den beiden ersten LdL-Stunden (Beschreibung der ersten Stunde) und
  2. Kritik nach weiteren Stunden.

Der Grund für die Zweiteilung ist, dass in den ersten beiden Stunden ohne häusliche Vorbereitung lediglich das Prinzip der gemeinschaftlichen Erarbeitung im Neuronenmodell und der Schüler-Moderation angewandt wurde. Es ging dabei um den Abschluss eines Themas, so dass die inhaltlichen Kenntnisse lediglich zusammen getragen und strukturiert wurden.

Für die Folgestunden habe ich dann Material ausgeteilt, mit dem Schülergruppen (2 - 4 Schüler) jeweils den Teil einer Stunde vorbereiten sollten.

Als Kritik nach den ersten Stunden wurden folgende Äußerungen gemacht:

Mir persönlich bringt diese Art von Unterricht nicht so viel und ich habe nicht unbedingt das Gefühl mehr zu lernen. Letzte Stunde haben wir auch viel Zeit gebraucht, aber ich hoffe, dass es besser wird, wenn wir als Gruppe das schon vorbereitet haben. Ich freue mich schon auf Donnerstag und bin gespannt, wie die Gruppe das meistern wird.


manchmal geht es etwas schleppend voran, vor allem letzte Stunde, was aber sicher daran lag, dass unsere zwei Moderatoren improvisieren mussten und das Thema für uns alle sehr neu wahr.
Ich denke, dass es nächste Stunde bestimmt besser laufen wird, da sich die Gruppe dann auch mehr mit ihrem Thema beschäftigt hat und die aufkommenden Fragen besser beantworten kann.


Ich würde es besser finden, wenn wir die Themen zu Hause vorbereiten müssen (so wie es jetzt HA ist), anstatt wie in den letzten zwei Stunden am Montag, da mir dort ein wenig Zeit gefehlt hat.

Kritik nach weiteren Stunden, welche von Schülergruppen als „Schüler-Lehrer“ zu Hause vorbereitet wurden.

natürlich dauert diese lernmethode sehr lang und man bleibt oft in Diskussionen hängen, da man nicht auf eine eigene Meinung kommt. ich glaube es wär am besten, dass man das nur bei einfacheren Themen benutzt, da man so eher auf eine gemeinsame Meinung kommt und nicht zu viel Verwirrung aufkommt


Sie müssen trotzdem noch oft eingreifen und es wird über eine Frage länger diskutiert, da niemand sagt, ja das war richtig. Meistens werden noch mehr Meinungen eingeholt und es dauert länger bis man eine Antwort gefunden hat.
Ich persönlich schalte schneller ab, da es länger dauert und man nicht so viel verpasst wie beim normalen Unterricht.
Trotzdem noch ein Lob an die Gruppe, die heute vorgestellt hat. Ihr habt euch viel Mühe gegeben.


Wenn man sich die bisherigen „LdL Verfahren“ anschaut, wird man bemerken, dass das „LdL Verfahren“, das wir durchführen einem „Referat“ gleiche. Im Sinne von viel Präsentation und Diskussion.

Der Unterschied zwischen einem Referat und „LdL“ ist, dass das „LdL-Verfahren“ uns Schlüsselqualifikationen (im Hinblick auf Sozial-, Handlungs- und Methodenkompetenz) für unser späteres Berufsleben vermittelt und das sollte in der Schule „vortrainiert“ werden.

Es ist sehr verständlich, dass man Angst gegenüber „Neuem“, wie „Gruppenarbeit (Sozialformen) selbstständig organisieren“ und „Methoden sinnvoll anwenden“ hat. Trotzdem sollte man diesen Schritt wagen.

(An diejenigen, die es gewagt haben oder wagen werden, finde ich’s vorbildlich!)

Ich denke, man fühlt sich anfangs immer unsicher, welche Methode hier nun angebracht ist oder was es alles an Formen und Methoden gibt (z.B gibt es noch „Methode 635, „Clustering“ oder „Morphologischer Kasten“), was zu Ablehnung gegenüber Methodenanwendung führt.

Fakt ist, wer später im Berufsleben mit Gruppen und Menschen zusammenarbeitet, geht nicht an Sozial-, Handlungs- und Methodenkompetenz vorbei.
Das „LdL Verfahren“ ermöglicht uns bereits in der Schule erstmals intensiv mit diesen Schlüsselqualifikationen zu arbeiten und verschafft uns sicherlich einen Vorteil für die Zukunft.


So langsam finde ich, dass die Moderatoren immer mehr zum Referathalter werden. Es werden zwar Diskussionen teilweise angekurbelt, aber auf der anderen Seite ist es kein eigenständiges Lernen mehr, sondern geht zum Teil wieder in Frontalunterricht über. Meiner Meinung geht die Interesse an LdL langsam verloren, ich finde die Klasse wird wieder unkonzentrierter und unruhiger. Ich denke man sollte es gut abwechseln und auch mal wieder „normalen“ Unterricht machen, damit es doch noch etwas besonderes bleibt.


Jedoch würde ich es besser finden, wenn die Klasse schon ein gewisses Grundwissen über das Thema hat, das in der Unterrichtsstunde durch LDL noch vertieft werden soll, da ich das Gefühl hatte, dass es in den letzten Unterrichtsstunden etwas schleppend voranging, da noch keiner mit dem Thema vertraut war. Somit entstanden längere Pausen, aber auch Diskussionen, bei denen man aber nicht immer zu einem Ergebnis gekommen ist, weil man, wie schon gesagt, noch nicht genug über das Thema wusste und es eindeutig zu klären.

Zusammenfassung und Reflexion der Kritik

Schleppender Unterrichtsverlauf — Ein immer wieder kehrender Kritikpunkt ist, dass der Unterricht teilweise „schleppend“ verlaufe, weil sich Diskussionen (scheinbar) im Kreis drehen oder die Schüler das Gefühl haben, nicht „weit genug“ im Stoff vorangekommen zu sein.

Aus meiner Sicht ist dieser Einwand nur teilweise berechtigt, ich kann ihn aber nachvollziehen: eine LdL-Stunde beschäftigt sich bei mir bisher meist intensiver mit einzelnen Aspekten, man kommt „nicht so weit“. Allerdings ist mein Eindruck, dass die Inhalte deutlich intensiver bearbeitet und verstanden werden. Schüler entwickeln aber im Laufe ihrer Schulzeit eine subjektive Einschätzung dafür, wie „weit“ man in einer Stunde kommen sollte oder kann. Dabei reflektieren sie wohl weniger über die Verarbeitungstiefe der Inhalte oder darüber, ob sie Dinge wirklich verstanden haben. Diese Fragen tauchen normalerweise wohl eher kurz vor der Klassenarbeit auf. Bei LdL scheint das wirkliche Lernen und Verstehen sich teilweise in den Unterricht zu verlagern.

Andererseits ist der Vorwurf des schleppenden Verlaufs auch berechtigt: die bisherige Organisation des Unterrichts war noch nicht ideal. Ich muss mehr darauf achten, dass die zu behandelnden Inhalte von allen vorbereitet werden, so dass der Unterricht sich mehr auf die Klärung offener Fragen konzentrieren kann. [UPDATE – Dieser Rückschluss ist wohl falsch – siehe die Kommentare von Jean-Pol Martin unten] Bisher hat zwar die „Lehrergruppe“ den Stoff vorbereitet, den übrigen Schülern wurde er aber während der Stunde präsentiert. So hatte ich das aus der Lektüre verschiedener Ldl-Beiträge abgeleitet. Naturgemäß kommen bei dieser Methode während der Stunde noch nicht alle Fragen auf den Tisch – zumal das Neuronenverhalten noch nicht gut ausgeprägt war und im Laufe der Unterrichtseinheit auch schwächer wurde.

Ich muss also künftig dafür sorgen, dass wir im Unterricht intensiv diskutieren, dass aber die sachliche Grundlage der Diskussion bei allen vorhanden ist. Wenn es Fragen gibt, die allein durch diskutieren nicht zu lösen sind (z.B. Definition eines Begriffs), muss ich früher eingreifen, damit sich das Gespräch nicht im Kreis dreht.

Referate statt LdL — Ein weiterer Kritikpunkt richtete sich gegen die Gestaltung des Unterrichts durch verschiedene Gruppen. Einige hatten sich sehr gute didaktische Herangehensweisen überlegt, andere waren eher unstrukturiert und konnten daher das Unterrichtsgespräch nur schlecht lenken bzw. die Ergebnisse nur unzureichend sammeln.

Hier ist ein Punkt, zu dem ich mir noch mehr Erfahrungen und Rückmeldungen von anderen Kollegen wünsche: Inwieweit stelle ich sicher, dass der von den Schülern geführte Unterricht didaktisch sinnvoll aufbereitet ist?

Lehrer muss noch oft eingreifen — Diesem Kritikpunkt entnehme ich, dass ich das Konzept wohl nicht klar genug vermittelt habe. Denn (wenn ich es richtig verstehe) geht es ja nicht darum, dass der Lehrer überhaupt nicht mehr eingreift, sondern eben nur noch an den entscheidenden Stellen, wo z.B. übergreifende Zusammenhänge aufgezeigt werden sollen oder es zu falschen Schlussfolgerungen kommt etc.

Interesse geht verloren — Diese Entwicklung scheint mit direkt mit der Gestaltung des Unterrichts durch die Schüler-Lehrer zusammen zu hängen. Analog zum Lehrer-Unterricht, arbeiten die Schüler gut mit, wenn die Stunde gut vorbereitet ist und schalten eher ab, wenn sie merken, dass Struktur oder inhaltliche Kompetenz fehlen.

Ich habe von allen Gruppen im Vorfeld einen Entwurf ihrer Stunde verlangt und diesen auch bekommen. Wir haben diese Entwürfe in einem Klassen-Wiki teilweise noch gemeinsam überarbeitet. Dennoch wurden manche Stunden nicht so, wie sie dem Entwurf nach werden sollten (auch das kennt man ja als Lehrer auch zur Genüge).

Zwischen-Fazit

Folgende Punkte habe ich aus meinen bisherigen Erfahrungen abgeleitet:

  • Bei einem weiteren LdL-Versuch werde ich langfristiger planen können und so die Inhalte besser auf eine sinnvolle Erarbeitung und vor allem „Diskursfähigkeit“ ausrichten können. In der „Just do it“-Phase war die Kurzfristigkeit in Nachteil, da ich den Schülern nicht innerhalb von drei Tagen eine komplett ausgearbeitete Stunde abverlangen wollte und damit organisatorisch Kompromisse gemacht habe.
  • Der Schwerpunkt der Stunden sollte meines Erachtens auf der Diskussion, Vertiefung und Übung von zu Hause erarbeiteten Inhalten liegen. Dies scheint mir zumindest für ein Fach wie Geographie in der Kursstufe zu gelten, in dem es viel fachlichen Input gibt, der oft sehr komplex ist und Unklarheiten mit sich bringt.
    Allerdings scheint das einigen Punkten zu widersprechen, die ich anderswo über LdL gelesen habe, nämlich, dass Schüler durchaus auch neuen Stoff im Unterricht einführen. Vielleicht kann hier jemand zur Klärung beitragen?
  • Der erhöhte Zeitaufwand, der sich durch die intensive Bearbeitung im Unterricht ergibt, muss durch eine gute Unterrichtsorganisation und eine clevere Aufteilung der „Stoffpakete“ sowie durch die Vor- und Nachbereitung der Schüler ausgeglichen werden.
  • Eine für mich noch offene Frage ist die der Benotung von Unterrichtsleistungen. Hier habe ich zwar z.B. Jean-Pol Martins Ansatz gefunden, dieser erscheint mir jedoch für mich zu zeitaufwändig (volles Deputat mit 25 Stunden, zusätzliche Verwaltungsaufgaben an der Schule etc.). Einen weiteren Aufsatz zu Benotungsstrategien bei LdL (PDF) habe ich kürzlich entdeckt und werde ihn für die nächste Phase durcharbeiten.

Insgesamt habe ich den Eindruck, mit LdL einen guten Weg eingeschlagen zu haben, der (nach meinem aktuellen „Gefühl“) künftig einen festen Platz in meinem Unterricht haben wird. Was mich anspricht ist der Grundsatz, dass Schüler mehr Eigenverantwortung übernehmen – ein Punkt, der mir schon lange am Herzen liegt und den ich bisher nur partiell umsetzen konnte. Bei LdL scheint dieser Aspekt besser zum Tragen zu kommen.

Ich habe auch bereits einige Ideen, wie LdL in meinem (projektartigen) NwT-Unterricht (Naturwissenschaft und Technik) zum Tragen kommem könnte. Dort arbeiten die Schüler auch bisher schon eigenständig und mit LdL könnte ich besser als bisher Ergebnisse einzelner Arbeitsgruppen für die gesamte Lerngruppe zugänglich und reflektierbar machen.

Offene Fragen

Hier noch mal die noch offenen Fragen. Über Kommentare hierzu würde ich mich freuen:

  • Welche Organisationsmodelle kann man anwenden, um den erhöhten Zeitaufwand im Unterricht auszugleichen?
  • Führen die Schüler-Lehrer regelmäßig neuen Stoff ein (der dann für die anderen neu ist) oder lesen z.B. alle Schüler zu Hause einen Text, den die Schüler-Lehrer lediglich intensiver erabeiten und aufbereiten?
  • Welche Benotungsstrategien kann man einsetzen (außer den extrem korrekturaufwändigen mit Tests jede Stunde)?

27. Mai 2009Stichwörter: , , , ,
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Kommentare

Jean-Pol Martin schrieb am 27 Mai 2009, 13:15 h    # 

Auf die Schnelle (später mehr):
„Ich muss mehr darauf achten, dass die zu behandelnden Inhalte von allen vorbereitet werden, so dass der Unterricht sich mehr auf die Klärung offener Fragen konzentrieren kann.“

- Auf keinen Fall! (Später mehr)

Hokey schrieb am 27 Mai 2009, 13:58 h    # 

Puh – bin gerade sehr platt und habe nicht alles geschafft, aber ich danke dir vorab schon einmal für den ausführlichen, multiperspektiven Bericht.

Jean-Pol Martin schrieb am 27 Mai 2009, 15:50 h    # 

„Allerdings scheint das einigen Punkten zu widersprechen, die ich anderswo über LdL gelesen habe, nämlich, dass Schüler durchaus auch neuen Stoff im Unterricht einführen. Vielleicht kann hier jemand zur Klärung beitragen?“

- LdL hat nur dann einen Sinn und kann nur dann funktionieren, wenn der neue Stoff aufgeteilt wird und die einzelnen Gruppen Neues ihren Mitschülern vorstellen. Gerade die Aufgabe, etwas Neues einzuführen und einzuüben ist für die „Schüler-Lehrer“ motivierend und zwingt sie, alles didaktisch durchdacht und verständlich darzustellen. Das ist ja gerade der „Trick“ bei LdL, um die Schüler zu motivieren. Dass es nicht auf Anhieb funktioniert, ist klar, denn die Schüler brauchen eine gewisse Zeit, bis sie den neuen Stoff interessant und verständlich darbieten. Aber nur dieses hat einen Sinn. Wenn alle Schüler denselben Stoff zu Hause vorbereiten müssen, dann gibt es den Effekt „Ich weiß was, was du nicht weißt“ nicht und der Prozess verliert dann ganz seinen Reiz.

Jean-Pol Martin schrieb am 27 Mai 2009, 17:06 h    # 

Komisch, ich hatte eine längere Post eingegeben, aber der Beitrag ist weg.
Also noch einmal:
„Führen die Schüler-Lehrer regelmäßig neuen Stoff ein (der dann für die anderen neu ist) oder lesen z.B. alle Schüler zu Hause einen Text, den die Schüler-Lehrer lediglich intensiver erabeiten und aufbereiten?“

- Unbedingt einen NEUEN Stoff einführen lassen. Nur so kann auf die Dauer die Motivation erhalten werden. Es ist ein großer Unterschied, ob man was Neues einführt (Motto: „Ich weiß was, was du nicht weißt“) oder ob man etwas vertieft, was die anderen schon kennen. Der Clou ist ja gerade, dass der größere Lernprozess dadurch entsteht, dass die Schüler-Lehrer mit allen didaktischen Mitteln den anderen neue Inhalte beibringen und die auftretenden Unklarheiten beseitigen müssen. Natürlich dauert es eine gewisse Zeit, bis die Schüler den Lehrprozess beherrschen, aber genau diese hohe Anforderung motiviert die Schüler langfristig. Wenn der Stoff bereits bekannt ist, macht LdL gar keinen Sinn und verdient auch diesen Namen nicht (Lernen durch LEHREN). Viel Erfolg!!!

Andreas Kalt schrieb am 27 Mai 2009, 17:32 h    # 

OK – danke Jean-Pol für die Klarstellung. Dann muss ich einfach mehr Geduld haben. Und: ein Abi-Kurs ist dann vielleicht auch nicht das beste Setting zum Ausprobieren, denn da hat man ja nicht sehr viel Zeitreserve, sondern möchte möglichst sicher mit dem Inhalt durchkommen.

Ich werde das wohl nach den Ferien mit einer anderen Klasse noch mal ausprobieren.

Jean-Pol Martin schrieb am 27 Mai 2009, 18:08 h    # 

„Und: ein Abi-Kurs ist dann vielleicht auch nicht das beste Setting zum Ausprobieren, denn da hat man ja nicht sehr viel Zeitreserve, sondern möchte möglichst sicher mit dem Inhalt durchkommen.“

- Absolut! Am besten ist es, wenn man in einer 6. oder 7. Klasse seine ersten Erfahrungen sammelt.

herrlarbig schrieb am 28 Mai 2009, 01:29 h    # 

@jean-pol
„Am besten ist es, wenn man in einer 6. oder 7. Klasse seine ersten Erfahrungen sammelt.“

Dem stimme ich völlig zu, meine „besten“ LdL-Stunden waren bislang in Klasse 6, 7 und 9.

N. Tholen schrieb am 9 August 2009, 10:22 h    # 

Der Vorschlag, es im Ernstfall (vor dem Abitur) doch nicht mit LdL zu versuchen, macht mich skeptisch: Ist nicht jede Stunde ein Ernstfall, haben die 6er nicht das gleiche Recht auf ordentlichen Unterricht wie die 13er?
Meine Erfahrung: Ich habe, was ich als Deutschlehrer kann, selber im Wesentlichen durch Lehren gelernt. Es gibt jedoch auch Kollegen, die durch ihr Lehren sehr wenig lernen. Es kann also wohl nicht nur (kausal) am LdL liegen, wenn man dabei etwas lernt?!

Andreas Kalt schrieb am 12 August 2009, 09:51 h    # 

@N. Tholen
Natürlich haben alle Schüler das Recht auf guten Unterricht. Dennoch gibt es in den meisten Klassenstufen einen gewissen inhaltlichen Spielraum, da die Themen im Bildunsplan ja meist grob umrissen sind. In der Kursstufe habe ich jedoch eine genauere Vorgabe und vor allem eine zeitliche Zielvorgabe – das macht ausprobieren schwieriger. Denn natürlich ist für das Ausprobieren etwas mehr Zeit nötig als für den Einsatz einer routiniert beherrschten Methode.

Was den Lerneffekt angeht: da muss man wohl die methodische und inhaltliche Seite trennen. Inhaltlich lernt man bei LdL wohl u.a. deshalb, weil man sich intensiv mit einem Thema beschäftigen muss. Methodisch kommt das Lernen m.E. stark durch Selbstreflexion beim Handeln selbst.

Das ist aber m.E. auch eine Charakterfrage. Manche Leute reflektieren sehr wenig über ihr Tun und lernen daher auch wenig aus dem eigenen Handeln. So jemand würde natürlich auch als LdL-praktizierender Schüler methodisch nicht viel Lernen. Inhaltlich schon – denn er müsste sich ja trotzdem intensiv vorbereiten.

Christian Spannagel schrieb am 12 August 2009, 12:45 h    # 

Die Einführung von LdL braucht Zeit. Wenn man sehr früh einsteigt, kann man (wenn man eine Klasse z.B. zwei Jahre lang hat) über einen größeren Zeitraum mit dieser Methode vertraut machen.

In einer Abiturklasse „mal kurz LdL auszuprobieren“ stresst nicht nur Schüler und Lehrer, sondern wird der Methode auch nicht gerecht (Anlage auf einen langen Zeitraum).

Ob man beim Lehren selbst etwas lernt, hängt vielleicht damit zusammen, wie sehr man sich selbst für das Thema interessiert bzw. wie interessant/kontrovers/… das Thema selbst ist. (Es ist wie immer eine Frage der Motivation) Insofern muss man bei LdL (genau wie bei allen anderen Methoden auch) zusehen, dass man packende Themen anbietet.

jean-pol martin schrieb am 12 August 2009, 13:46 h    # 

Mit Spannagel einverstanden.
LdL braucht sowohl von Lehrerseite als auch von Schülerseite Zeit zur Eingewöhnung. Es ist eine andere Unterrichtsphilosophie, ja eine andere Lebenssicht überhaupt. Und bei der Einführung tauchen sowieso Probleme auf, auch wenn man als Lehrer die Methode sehr gut beherrscht. So sagen mir die Schüler immer im Nachhinein, dass sie am Anfang Schwierigkeiten hatten, sich an das neue System zu gewöhnen. Das bekomme ich meistens nicht mit, weil ich selbst ganz sicher bin und nicht sosehr auf die Anfangsschwierigkeiten der Schüler achte.

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