Drahtlos auf den Beamer – Ein Versuch

Ich habe meinen Rechner täglich mit in der Schule und projiziere in fast jeder Stunde den Unterrichtsentwurf sowie verlinkte Dateien auf den Beamer. Bisher verwende ich dazu ein vier Meter langes Kabel (Mini-DVI auf HDMI) bzw. ein VGA-Kabel mit Adapter bei älteren Beamern. Axel Krommer hat mich mit seinem Paper Die Demokratisierung des Beamers via AppleTV jedoch auf die Idee gebracht, die Möglichkeiten auszutesten, den Beamer drahtlos anzusprechen.

Der genannte Artikel stellt dazu verschiedene Möglichkeiten vor. Ich wollte das möglichst preisgünstig und mit einem möglichst kleinen Gerät realisieren. Apple TV kam für mich nicht in Frage, weil ich in verschiedenen Räumen unterrichte und das Gerät jeweils mitnehmen muss. Das Apple TV ist zwar klein, aber nicht so klein, dass ich es neben all dem anderen Kram auch noch in meiner Tasche mit mir herum tragen wollte. Außerdem bräuchte ich noch ein entsprechendes HDMI Kabel dazu, was dann Kabel Nr. 4 in meiner Tasche wäre.

Blieb also noch das in Axels Artikel genannte EZ Cast. Das ist deutlich günstiger als ein Apple TV, bei amazon habe ich es für ca. 25 EUR bekommen. EZ Cast unterstützt verschiedene Betriebssysteme und Protokolle zur Bild- und Tonübertragung. Im Folgenden möchte ich meine Erfahrungen damit kurz schildern.

Voraussetzungen

EZ Cast wird in den HDMI-Eingang eines Beamers gesteckt, getestet habe ich das am heimischen Fernseher. Wichtig ist, dass zusätzlich ein USB-Anschluss in direkter Nachbarschaft der HDMI-Buchse vorhanden sein muss, da EZ Cast seinen Strom aus dem USB-Anschluss bezieht. Die beiden Buchsen dürfen aber nicht zu nah beieinander sein, weil sich die Stecker sonst in die Quere kommen. An meinem Fernseher ging das gerade noch so, war aber grenzwertig.

EZ Cast spannt ein WLAN auf, in das man sich mit dem streamenden Gerät einwählt. Möchte man gleichzeitig auch per WLAN ins Internet, gibt man die Zugangsdaten für das mit dem Netz verbundene WLAN in den EZ Cast Einstellungen an. Der Internetsignal wird dann von EZ Cast an das streamende Gerät weitergereicht. Allerdings sollten sich Name und Passwort des drahtlosen Netzes, das mit dem Internet verbunden ist, nicht ständig ändern, weil man diese Angaben ja in der EZ Cast Einstellung eintragen muss, was ein paar Minuten dauert. Wer EZ Cast also in verschiedenen Räumen nutzen möchte, in denen drahtlose Netzwerke mit verschiedenen Namen vorhanden sind, hat hier evtl. ein Problem.

Nutzung mit iOS

Für iOS gibt es eine EZ Cast App kostenlos im iTunes-Store. Allerdings konnte mein EZ Cast nach einem Firmware-Update, das der Stick selbständig durchführte, auch via Airplay Bildschirmsynchronisation angesprochen werden und zeigte so also einfach alles an, was auf dem Display des iOS-Gerätes zu sehen war. Dazu wählt man im »Kontrollzentrum« von iOS im Bereich »Airplay« den Eintrag von EZ Cast aus und aktiviert außerdem die Bildschirmsynchronisation. Das ist dann viel problemloser als in der EZ Cast App herum zu navigieren.

Ich habe das beschriebene Vorgehen mit einem iPhone 4S und einem iPad Air getestet, beide mit der iOS-Version 8.1.3. Die Übertragung gelang gut, ich habe allerdings nur Display-Bilder und keine Videos und keine ähnlich datenintensiven Übertragungen getestet (beim Test mit Mac OS X machten genau diese Dinge Probleme, siehe unten).

Nutzung mit dem Mac

Da ich EZ Cast hauptsächlich für die Übertragung meines Mac-Displays nutzen wollte, suchte ich auch hier nach einer Lösung. Mein Macbook Pro ist von Mitte 2009 und unterstützt Airplay nicht nativ. Daher kommt die Bildschirmsynchronisation wie unter iOS nicht in Frage.

Eine Option, um dieses Problem zu beheben, ist das Programm AirParrot. Das rüstet die entsprechende Funktionalität nach und kann laut Anbieter auch verschiedene andere Geräte ansprechen.

Zu meinem heimischen Apple TV gelang die Übertragung mit AirParrot auch problemlos und ich konnte meinen Bildschirm synchronisieren. Für das Abspielen von Videos erwies sich die Übertragung aber als zu langsam. Es kam zu Verzögerungen von mehreren Sekunden zwischen Bild und Ton des Rechners mit der Ausgabe am Fernseher.

Allerdings gelang es mir nicht, mit AirParrot auch EZ Cast anzusprechen. AirParrot konnte keine Verbindung zum WLAN-Netz von EZ Cast aufbauen, so dass ich diese für mich wichtigste Funktion nicht realisieren konnte.

Fazit

EZ Cast ist eine preisgünstige Möglichkeit, Bild und Ton von iOS Geräten (über Android kann ich nichts sagen) auf einen HDMI-fähigen Beamer zu übetragen. Der Beamer muss in direkter Nachbarschaft des HDMI Eingangs einen USB-Anschluss haben, damit EZ Cast mit Strom versorgt werden kann.

Die Übertragung von meinem Macbook Pro (von 2009) mit AirParrot hat bei mir nicht funktioniert, es ist aber gut möglich, dass neuere Macs, die nativ AirPlay unterstützen, mit der Übertragung keine Problem haben (das konnte ich aber natürlich nicht testen).

Eine weitere Option, die das Geschwindigkeitsproblem evtl. lösen könnte, ist die neue Version von EZ Cast: EZ Cast Pro. Dieser ist angeblich deutlich schneller und wurde laut Hersteller in verschiedenen Bereichen verbessert. Allerdings scheint er in Deutschland noch nicht erhältlich zu sein und ist außerdem deutlich teurer.

Das Streamen aller Bildschirminhalte samt Ton auf ein Apple TV erwies sich mit AirParrot als nicht praxistauglich, da es bei datenintensiven Inhalten (z.B. Videos) zu sehr störenden Verzögerungen bei der Übertragung kam. Wer auf Videos verzichten kann und einen älteren Mac besitzt, hat mit AirParrot aber zumindest eine Option (evtl. funktioniert das Ganze in anderen WLAN-Settings auch besser).

Vielen Dank an Axel Krommer für die Vorarbeit und für das Teilen der Informationen. So habe ich nun zumindest eine Vorstellung von den Möglichkeiten und kann die verschiedenen Systeme für die Zukunft im Auge behalten.

[UPDATE] Reaktionen und weitere Ideen

Hier einige Reaktionen und alternative Lösungen:

P.S.: Dies ist im elften Jahr dieses Blogs Artikel Nr. 400.

 

14 Gedanken zu „Drahtlos auf den Beamer – Ein Versuch

  1. Schade, das dein Versuch nicht erfolgreich war, denn interessant hört sich deine Idee auf jeden Fall an. Mich würde zudem interessieren, ob die Übertragung mit Windows oder Linux besser funktioniert und, ob es hierfür einen offenen Standard gibt.

    PS
    Schade, dass ich die Kommentare zu diesem Beitrag nicht per E-Mail abonnieren kann.

  2. Danke für den Artikel. Zu Android werde ich in den nächsten Wochen etwas online stellen. Hab mir vor drei Wochen den EZcast geholt, um ihn mal zu testen. Bericht folgt.

    1. Danke für Euer Feedback.

      @Herr Mess: Ich bin gespannt, was Du zu berichten hast.

      @ Marco: Ich benutze Textpattern, das – wie ich in letzter Zeit immer mehr merke – etwas in die Jahre gekommen ist. Hab mal versucht, das mit einem Plugin hinzubekommen, aber das Plugin ist schon über fünf Jahre nicht mehr weiterentwickelt worden, so dass es nicht geklappt hat. Mittelfristig muss ich mir mal was überlege

  3. @Andreas: Trotzdem danke für deine Versuche. Textpattern fand ich auch immer eine schöne leichtgewichtige Alternative. Vielleicht kann man es irgendwie mit Disqus realisieren?

    @Herr Mess: Der Bericht würde mich interessieren. Insbesondere auch, ob es mit Windows klappt.

    1. @ Marco: Disqus hatte ich mal drei Jahre lang. Aber: Lock-in (die Kommentare aus den drei Jahren sind seit dem Rückumstieg weg), Daten und Anmeldung bei US-Anbieter nötig, viele potentielle Kommentatoren haben explizit gesagt, sich bei Disqus nicht anmelden zu wollen.

      Ich werde wohl irgendwann versuchen, auf WordPress zu migrieren.

  4. Wir haben @bwineuss mehrere Ezcast im Einsarz und nutzen vornehmlich Androidtablets. Allerdings haben wir auch Apple- und Windowsgeräte erfolgreich gespiegelt. Bei älteren iOS gab es schon mal Probleme.

    Weiterhin zeigte sich, das ein verbundenes iOS von einem Androidgerät abgemeldet werden kann, umgekehrt allerdings nicht.

    Da in nahezu jedem Klassenraum ein Lehrerarbeitsplatz steht, haben wir auch airserver getestet. Nach unseren Beobachtungen funktioniert airserver aber nur mit PCs mit Intelprozessor. Könnte ansonsten eine Alternative sein.

  5. Wir statten gerade die Klassenzimmer mit Beamer u.m. aus. Dabei haben wir dafür von Acer USB Dongles an die Beamer stecken lassen, die mit der Acer Software edisplay von mobilen Geräten aus angesprochen werden können – iOS, Android etc. Ist wohl diese beiden Technik, bei der ein WLAN aufgespannt wird
    Funktioniert nahezu reibungslos. Anfangs stellten wir nur fest, dass ich mit meinen Apple Geräten über die Beamer auch ins Internet kam, weil sie im Netzwerk eingebunden sind, um sie automatisiert an- und abzuschalten. Hier wurde ein Riegel vorgeschoben.
    Apple TV habe ich auch getestet, ATV 2, aber dafür fehlt das WLAN, bzw, war es zu kompliziert, das Ding jedes Mal über LAN anzumelden.

    In unserem Schulhaus ist allerdings das technische Probleme gering im Vergleich zu der fehlenden Möglichkeit bei Sonneneinstrahlung das Zimmer abzudunkeln.

    Das mit der Schlepperei der Kabel, wie oben beschrieben, kennen ich auch. Brauche ich nun nicht mehr, aber es hat sich in der Schule rumgesprochen, und so kommen öfter Schüler vor Präsentationen in meinem Büro vorbei und leihen sich Adapter oder Kabel.

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