Faktenwissen in Zeiten des Internets

Kürzlich bin ich durch Lars Reitze auf einen Tweet von Alice Keeler, einer US-amerikanischen Lehrerin, aufmerksam geworden.   Lars’ Kommentar dazu war: Wenn man praktisch immer Zugriff auf das Internet und damit auf fast das komplette „Wissen“ der Welt hat, muss man keine Fakten mehr wissen, denn man kann ja bei Bedarf schnell nachschauen. Diese Haltung wird seit einigen Jahren häufig vertreten und propagiert, auch von vielen netzaffinen Lehrern. Das geht so weit, dass der Begriff „Faktenwissen“ schon beinahe ein Schmähbegriff geworden ist, ein Symbol für das „alte verkrustete System“. Ich halte diese Position für falsch. Ich denke, es ist Weiter lesen …

Kommerzielle Überwachung und Datenschutz

Im November 2014 erschien im Auftrag der österreichischen Bundesarbeitskammer eine Studie mit dem Titel »Kommerzielle digitale Überwachung im Alltag«. Hauptautor ist Wolfie Christl. Ziel der Forschungsarbeit war es, einen umfassenden Blick darauf zu werfen, wie die Speicherung, Verknüpfung und Verwertung von digitalen persönlichen Daten heute im Detail funktioniert und wel- che gesellschaftlichen Implikationen sich daraus ergeben. Nicht zuletzt sollte eine Antwort auf die dringende Frage gefunden werden: Was tun? Wolfie Christl: Kommerzielle digitale Überwachung im Alltag, S. 4. Die Studie gibt einen guten Überblick über die heutigen Möglichkeiten, Ziele und Mechanismen kommerzieller Überwachung. Wer sich schon länger mit Datenschutz und Privatsphäre Weiter lesen …

Hinweis auf Blogparade über schlechte Lehrer – und ein kleines Jubiläum

Aktuell läuft eine Blogparade über »schlechte Lehrer«. Der Anlass ist eine ZDF Login-Sendung, auf die zunächst Bob Blume reagiert hatte. Etwas später rief er dann zum Bloggen über das Thema auf. Leider habe ich gerade weder Zeit noch Muße, mir differenziert schriftliche Gedanken dazu zu machen. Allerdings sind fast alle Standpunkte, die mir bislang dazu eingefallen sind, bereits in den verschiedenen Beiträgen vertreten, so dass ich hier lediglich auf die Liste der Beiträge in Bobs Post verweisen möchte. P.S. Dies ist Beitrag Nr. 386. Er erscheint heute genau zehn Jahre nach dem ersten Post auf diesem Blog.  

Climate Change 2013

Die Working Group I des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) hat ihren fünften Sachstandsbericht über die Physical Science Basis des Klimawandels veröffentlicht. Im Gegensatz zu früheren Jahren, ist die Aufbereitung und Darstellung der Informationen deutlich besser geworden. Es gibt eine eigene Website für diesen Bericht, es gibt – neben der schon länger üblichen – Summary for Policy Makers (PDF) noch zusätzlich Factsheets und es gibt ein knapp 10-minütiges Video, das die wesentlichen Aussagen darstellt. Diese Verbesserungen machen die Informationen leichter zugänglich, so dass es meines Erachtens nun auch besser möglich ist, mit Schülern mit dem Material zu arbeiten. Für eine greifbare Weiter lesen …

Klimawandel, Opfer und Konflikte

In Warschau findet mal wieder eine Klimawandel-Konferenz statt. Was dabei an konkretem politischem Handeln herauskommen wird, ist fraglich. Die Probleme sind seit Jahren bekannt und eklatant, zu entschiedenen Maßnahmen hat das bisher nicht geführt. Im Gegenteil: die Emissionen steigen weiter an. Der Taifun Haiyan hat mit unvorstellbarer Kraft auf den Philippinen gewütet. Über den Zusammenhang zwischen solchen Extremereignissen und dem Klimawandel berichtet Stefan Rahmstorf: Werden Tropenstürme schlimmer? +Updates. Und die SZ erklärt in einfachen Worten die Zusammenhänge zwischen Stürmen und dem Ausmaß der Schäden, die sie anrichten: Ein Klima für Stürme. Außerdem berichtet Stefan Rahmstorf, dass eine neue Studie die Weiter lesen …

Every kid needs a champion

Mal wieder etwas zur Inspiration und zum Nachdenken über die Lehrerrolle. Mal so in den Raum geworfen: Als »Lernbegleiterin« würde sich Rita Pierson sicher nicht verstehen – und das ist auch mir zu passiv. Wir begleiten nicht nur, wir haben viel mehr Einfluss als dieses Wort suggeriert – teilweise im Guten und teilweise im Schlechten. Diesen Einfluss zu ignorieren oder aktiv zu verneinen, hilft nicht weiter.  

Vermischte Links

Wenig Zeit zum Bloggen gerade, aber einige interessante Artikel sind mit in letzter Zeit untergekommen. Marco Maurer berichtet in der ZEIT davon, wie es für ihn war, sich als Arbeiterkind durch das deutsche Bildungssystem zu kämpfen. Gut geeignet, um sich als Lehrer ins Gedächtnis zu rufen, wie weitreichend unsere Beurteilungen (oder sollte man sagen »Urteile«) mitunter sein können. Spektrum.de hat Johannes Streif zum Thema ADHS interviewt. Der Vorsitzende von ADHS Deutschland e.V. betont: ADHS ist keine Modekrankheit und gibt ausgewogene und fundierte Einblicke in die Hintergründe des Krankheitsbildes und der Therapie. Auch hier kommen wieder soziale Unterschiede wie im oben Weiter lesen …

Constanze Kurz, Frank Rieger: Die Datenfresser – Datenschutz als Schullektüre

Kaum ein Schüler an einer weiterführenden Schule ist nicht in einem sozialen Netzwerk angemeldet. Die meisten Lehrer und Eltern sehen das durchaus kritisch, wenn auch oft nur diffus. Wenn man darüber diskutiert, ist das Hauptargument meist der ominöse Personalchef, der irgendwann bei einer Bewerbung mal was finden könnte, was den sich bewerbenden Schüler in einem schlechten Licht erscheinen lassen könnte. Kein sehr überzeugendes Szenario, zumal meiner Erfahrung nach die meisten Schüler inzwischen grundlegende Privatsphäre-Einstellungen einhalten, so dass ihre Profile nicht komplett öffentlich sind. Datenschutz und Privatsphäre sind Konzepte, die für junge Menschen erfahrungsgemäß abstrakt sind und deren Bedeutung sie nur Weiter lesen …

Misc 2.0

Lernen muss flexibel bleiben. Natürlich sollen wir die neuen Möglichkeiten von Web 2.0 nutzen; aber eine Lernkultur, die sich vom Funktionieren von Apparaten abhängig macht, ist noch problematischer als einseitiger Frontalunterricht. Fontanefan in einem Kommentar bei herrlarbig.de Das Netz ist wichtig, aber das Netz ist nicht alles.  

Freie Lernmaterialien in der Schule #OER

Herr L. schaut auf das Display seines Notebooks. Er sichtet das Material zum Jetstream, das er kommende Woche in der zehnten Klassen in Geographie verwenden möchte. Es ist auf dem Landesbildungsserver seines Bundeslandes frei zum Lesen zugänglich. Die Texte und Abbildungen sagen ihm zu, sie entsprechen gut dem Leistungsniveau der meisten Schüler in der 10a. Allerdings gibt es einige Schüler in dieser Lerngruppe, die sehr interessiert an Geographie sind und die gerade zur Zeit beim eher anspruchsvollen Thema »Allgemeine Zirkulation der Atmosphäre« Feuer gefangen haben. Sie bombadieren ihn immer mit Fragen und recherchieren Unterrichtsinhalte im Netz nach, um zum Beispiel Weiter lesen …

Was Facebook alles weiß

Mal eine kleine medienpädagogische Übung: Man nehme also ein Bild, beispielsweise eines von der deutschen Facebook-Sprecherin Tina Kulow. Auf ihrer Facebook-Seite sind Fotos von ihr zu sehen, sie lächelt, eine Hornbrille im Gesicht. Man kann ein Foto herunterladen, das geht bei Facebook immer, und dann kann man es in seine eigenen Fotoalben wieder hochladen, um zu sehen, ob Facebook das Gesicht erkennt. Wenn man kein »Freund« von Tina Kulow ist, wird Facebook ihr Gesicht nicht identifizieren. Man löscht das Bild vom eigenen Facebook-Profil, es war ja nur ein Test. Ein paar Wochen später klickt man unter Kontoeinstellungen den Link »Lade Weiter lesen …

Verlage möchten auf Schulrechnern schnüffeln

Die Schulbuchverlage planen, jährlich ein Prozent der Schulen digital zu durchsuchen, um illegale Kopien ihrer Werke ausfindig zu machen. Sie haben sich gedacht, dass die Schulträger dabei ja gut helfen könnten und die Kultusminister der Länder fanden das auch gut – also haben sie einen Vertrag geschlossen (PDF), der diese Durchsuchung festlegt. Datenschutzrechtlich ist das natürlich höchst bedenklich: Ob der Staat Lehrer und Schüler überhaupt zum Schutz der wirtschaftlichen Interessen von Privatunternehmern überwachen und ausspionieren darf, ist m.E. ganz generell zu hinterfragen. Denn eine gesetzliche Grundlage für diesen Grundrechtseingriff ist nicht ersichtlich. Ganz unabhängig davon, dass Lehrer und Schulleiter damit gezwungen Weiter lesen …

Sit in straight rows and do what you’re told

Seth Godin über den historischen Hintergrund des aktuell verbreiteten Schulsystems: Part of the rationale to sell this major transformation [gemeint ist die Abschaffung der Kinderarbeit] to industrialists was that educated kids would actually become more compliant and productive workers. Our current system of teaching kids to sit in straight rows and obey instructions isn’t a coincidence—it was an investment in our economic future. The plan: trade short-term child labor wages for longer-term productivity by giving kids a head start in doing what they’re told. Back to (the wrong) school, meine Hervorhebung und Link-Ergänzung. Wenn etwas Normalität geworden ist, vergisst man Weiter lesen …

Jetzt aber wirklich: Raus aus Facebook

Facebook hat mal wieder eine tolle Idee umgesetzt und möchte sie in den nächsten Monaten freischalten: Die »Wall« (Pinnwand) wird zur »Timeline« (Chronik), so dass mit der Zeit nahezu das gesamte Online- und Realleben nachvollziehbar wird. Das Beste: Der Benutzer muss dafür kaum noch was tun. Während man online unterwegs ist, können einzelne Websites und Dienste selbständig die eigene Aktivität in die Facebook-Chronik posten. Die neue Timeline soll aus dem gewaltigen Wust an digitaler Information, den ein habitueller Facebook-Intensivnutzer im Laufe der Zeit erzeugt, eine gewichtete, chronologisch geordnete Sammlung all der im Netzwerk mitgeteilten Informationen machen. […] Weil das Ziel Weiter lesen …

Anthropozän?

In verschiedenen Medien (z.B. im SPIEGEL oder in der Welt) wird gerade darüber berichtet, dass manche Wissenschaftler ein neues Erdzeitalter vorschlagen: das Anthropozän. Anke Bebber gibt im Scienceblog Geo? Logisch! einen guten Abriss über das aktuelle Zeitalter namens Holozän und fragt sich, ob es wirklich sinnvoll ist, ein Anthropozän auszurufen. Leben wir in einem neuen Erdzeitalter?  

Raus aus Facebook

Alexander Dill fragt bei Telepolis: Warum verschenken wir eigentlich unser wertvolles Sozialkapital an russische und chinesische Oligarchen und Goldman Sachs? Nach dem Atomaussstieg: Jetzt raus aus Facebook! Er spielt damit auf die letzte Finanzierungsrunde von Facebook an, bei der eine Milliarde Dollar eingetrieben wurden. Weiter schreibt er: Jede Initiative, jeder Verlag, jedes Projekt ist bei Facebook und hofft auf die Währung like. […] Diese Schmeichelei und die zauberhaften, falschen Freunde sind es, die uns glauben lassen, wir bräuchten Facebook. Auch meine Verleger und Redakteure freuen sich über den vermeintlichen Multiplikator Facebook. Wenn ich aussteige, verlieren sie ein scheinbar wertvolles like. Weiter lesen …

Facebook mit Gesichtserkennung

Facebook hat als neuestes »Feature« eine automatische Gesichtserkennung aktiviert. Natürlich standardmäßig eingeschaltet und erst nach der Aktivierung und nach ersten Protesten zugegeben. Derlei respektloser Umgang mit der Ware ist ja üblich. Maik Riecken sieht zu Recht den Damm gebrochen und deutet erste Szenarien an. Bei Richard Gutjahr gibt es eine ausführliche Anleitung, wie man die Funktion teilweise unterdrücken kann Anleitung, wie man die Funktion abschaltet (ganz Abschalten kann man das nicht, die Erkennung scheint grundsätzlich immer durchgeführt zu werden – Dank an Maik für den Hinweis). Die Sicherheitsfirma Sophos hat einen offenen Brief an Facebook geschrieben, in dem sie u.a. fordert, Weiter lesen …

Let them Surf

An der Universität von Süd-Dänemark sollen bis 2012 so viele Prüfungen wie möglich digital abgelegt werden. Dabei werden die Stundenten vollen Internetzugang haben, berichtet die Times Higher Education via Inside Higher Ed. „What you want to test is problem-solving and analytical skills, and … students‘ ability to reflect and discuss one particular topic,“ [Lise Petersen, e-learning project coordinator at the University of Southern Denmark] said. Petersen added that, far from being a soft option, using the Internet as an academic tool was a challenge for most students because of the sheer volume of information available. „The skill is discerning between Weiter lesen …

Wissen, wie man’s macht

Maik Riecken konstruiert eine gelungene Metapher für verschiedene Ansätze, im Bildungssytem innovativ zu sein: Wasmanie ist einer davon. Handwerk der andere. Lesenswert. Es gibt nichts Gutes, außer: man tut es. Erich Kästner Außerdem berichtet Maik in den Verlorenen Links (Punkt 2) davon, dass der Pisaversteher weiß, wie „gute Schule“ geht (viele andere meinen das auch zu wissen) – dass „gute Schule“ aber trotzdem nicht realisiert wird. Dieses Paradox kennt man aus vielen (Bildungs)Bereichen. Maik erwähnt den Fachleiter, der weiß wie eine gute Stunde aussieht, aber Schwierigkeiten hat, die Kriterien zu nennen. Ich erinnere mich an einen Fachleiter, der ebenfalls in den Weiter lesen …

Ungeordnete Gedanken zum Lernen und zur Komplexität der Welt

Robert Glashüttner macht sich interessante Gedanken über das Lernen und die Komplexität der Welt. Ich füge hier ein paar ungeordnete Gedanken an. Ich bin immer wieder verblüfft, wenn ich an mir selbst merke, in welcher diffusen Weise Lernen funktioniert. Robert Glashüttner: Die Welt war immer schon komplex Dito. Ich erinnere mich an Momente des Endlich-Verstehens bei Mathematik-Aufgabenstellungen in der Schule, bei denen ich nachher innerlich den Kopf darüber geschüttelt habe, wie umständlich, über unnötige Umwege mir das erklärt worden war. Dieses Verkomplizieren, das ewige Kommunikationsproblem beim (meist schriftlichen) Weitergeben von Wissen, ist eine substanzielle Hürde, die weiterhin und trotz aller Weiter lesen …