Wo anfangen?

Die Zeit hat den Journalistik-Professor Jay Rosen über die Veröffentlichung der Afghanistan-Dokumente bei Wikileaks interviewt.

Eine Passage aus dem Interview fiel mir besonders auf:

Ich will Ihnen ein Beispiel geben: das jüngste Open-Data-Dossier der Washington Post. Die Post hat zwei Jahre lang recherchiert und ein gewaltiges Dossier über alle Geheimdienst-Machenschaften des militärisch-industriellen Komplexes zusammengestellt. Sie hat eine Woche lang auf den ersten Seiten darüber geschrieben. Mehr Aufmerksamkeit ist fast nicht vorstellbar. Die Journalisten haben eine gewaltige Schattenwirtschaft aufgedeckt, die Milliarden Dollar verschlingt, völlig sinnlos, an der sich viele Menschen bereichern. Und was ist die Reaktion? Man sagt nur: Oh, dann müssen wir noch mehr Studien machen, und noch mehr Geld ausgeben, um herauszufinden, was genau da passiert ist. Der Kongress sagt nicht: Oh mein Gott, wir müssen hier dringend einen Schlussstrich ziehen, wir müssen das Ganze sofort neu regeln, wir sind zu weit gegangen. Nein, es passiert im Grunde nichts. Alles geht so weiter wie zuvor. Nicht, weil es unwichtig wäre, sondern weil man gar nicht weiß, wo man anfangen soll.
Quelle (meine Hervorhebung)

Manche Probleme erscheinen so groß, dass man gar nicht weiß, wo man mit der Lösung beginnen soll. Das gilt nicht nur für Staaten, sondern auch für Organisationen kleinerer Größe. Man kann das Phänomen auch in Schulen beobachten: manche Themen werden immer wieder diskutiert, mal wieder angepackt, es bildet sich eine Arbeitsgruppe oder es werden Gespräche geführt. Nach einer Weile frisst man sich an den Widerständen, kontroversen Ideen oder einfach an der Komplexität der Sache fest.

Beim nächsten oder übernächsten Anlauf ist die Reaktion auf das Ansprechen des Problems schon verhaltener, irgendwann nimmt man das Problem einfach hin.

Too big to handle — was tun?

Wenn Sie mich jetzt fragen: „Wie?“ muss ich Ihnen leider sagen: ich weiß es selbst nicht. Ich kann das Phänomen bislang nur beschreiben.
Quelle

 

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