Was bringt Bloggen in der Schule?

Tom Whitby stellt in seinem Blog die Frage To Blog or Not to Blog? und diskutiert in dem Beitrag, warum er das Bloggen in der Schule (im konkreten Fall speziell als Möglichkeit, die Schreibfähigkeiten der Schüler zu fördern) für wichtig hält.

Es geht ihm unter anderem darum, die Ressentiments von Kollegen gegen das Bloggen zu entkräften. Folgende Aussage von ihm halte ich für besonders wichtig:

Every idiot has the ability to publish a blog and everyone does. It is today’s educator’s challenge to teach students the skills needed to publish intelligently and responsibly.
Tom Whitby

Viele Kollegen bringen meiner Erfahrung nach zunächst mal Einwände gegen das Bloggen vor. Eine typische Reaktion lautet etwa so: „Es gibt im Netz schon genug überflüssige Texte von schlechter Qualität. Da müssen wir in der Schule nicht noch dazu beitragen.“

Dieses Argument geht meines Erachtens in die falsche Richtung. Natürlich schreiben viele Schüler erst mal Blogbeiträge von minderer Qualität. Das ist normal und zu erwarten. Um hochwertige Beiträge zu schreiben, braucht man Sachkenntnis im betreffenden Thema, man muss dieses mental strukturiert haben und man muss darin geübt sein, seine Gedanken angemessen schriftlich zu artikulieren. Alle diese Punkte müssen Schüler erst (mühsam) lernen.

Sie lernen es meiner Erfahrung nach sehr viel bereitwilliger, wenn sie erkennen, wozu diese Fähigkeiten sinnvollerweise dienen können. Der „Sinn“, dass ein Lehrer die eigenen Gedankengänge verstehen soll, ist in diesem Zusammenhang meist nicht ausreichend als Motivation. Ein größeres Publikum, potentielle Leser innerhalb oder außerhalb der eigenen Klasse, eventuell sogar Kommentare von außerhalb der Schule bringen hingegen große Motivation und auch die Freude daran, dass das eigene Denken und Schreiben von anderen als relevant wahrgenommen wird.

Der Nutzen für die Schüler kann enorm sein. Sie lernen eine Möglichkeit kennen, ihre Gedanken öffentlich zu machen und sich einer öffentlichen Diskussion auszusetzen (in beschränktem Maß gilt das auch, wenn die Öffentlichkeit nur aus den Mitschülern der eigenen Klasse besteht). Dazu wird es nötig, diese Gedanken nachvollziehbar und klar zu formulieren und sie kritisch zu hinterfragen bzw. hinterfragen zu lassen. Die eigenen Standpunkte werden einem selbst oft klarer, wenn man diese schriftlich fixiert. Und eine schriftliche Diskussion in Kommentaren kann mehr Zeit zum Nachdenken einräumen als eine mündliche Diskussion im Klassenraum (was die mündliche Diskussion natürlich nicht überflüssig macht).

Insgesamt können Schüler beim Bloggen (ob öffentlich oder im geschützten Rahmen eines Klassenblogs) erfahren, dass ihre Stimme als relevant wahrgenommen wird bzw. was sie tun müssen, damit das so ist. Das schafft meiner Erfahrung nach eine höhere Motivation für das Schreiben und wirkt sich auch positiv auf das Selbstwertgefühl aus.

Die Rückmeldungen aus meinem letzten Projekt waren sehr ermutigend und es hat mich gefreut zu sehen, wie einige Schüler im Laufe einiger Wochen die Freude am Schreiben entdeckt und die eigenen Schreibfähigkeiten verbessert haben. (Nicht alle haben diese Chance genutzt – Bloggen ist natürlich kein Allheilmittel.)

Ich halte sehr viel davon, Schüler ans Bloggen heranzuführen. Momentan habe ich allerdings kein öffentlich zugängliches Blog-Projekt am Laufen, sondern mache das „hinter verschlossenen Türen“, weil die Öffentlichkeit auch einen erhöhten Einführungs- und Betreuungsaufwand meinerseits nötig macht, den ich gerade nicht leisten kann. Aus Lehrersicht muss man meines Erachtens die Öffentlichkeit wohl dosieren, damit man nicht im sich ergebenden Moderationsaufwand ertrinkt. Die beschränkte Öffentlichkeit der Lerngruppe ist aber bereits ein guter Anfang und ermöglicht ebenfalls fruchtbare schriftliche Diskussionen.

Eure Erfahrungen und Links

Welche Erfahrungen habt Ihr mit Schülerblogs? Gibt es neuere dokumentierte Beispiele? Ich würde mich über entsprechende Kommentare freuen.

Ressourcen

Hier einige Materialien für diejenigen, die es vielleicht auch versuchen wollen:

Und schließlich etwas Eigenwerbung: Meine Ideen zum Thema Schülerblogs sind neulich auch in einen Artikel bei Focus-Schule eingeflossen: Bloggen: Note sehr gut

 

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