Schneller lesen

Wer kennt es nicht: Ein riesiger Leseberg auf dem Schreibtisch. Fachzeitschriften, E-mails, Post, Protokolle, Berichte, Zeitungen – es ist nicht einfach, dies effizient zu bewältigen. Hierfür gibt es sicherlich auch keine perfekte Lösung, aber es gibt Menschen, die viel effektiver und schneller lesen als der Rest der Bevölkerung – und von diesen kann man lernen.

Zwar klingt es für die meisten Menschen unmöglich, aber: Es ist für Normalleser absolut möglich, doppelt so schnell zu lesen und dabei das gleiche Textverständnis zu erzielen. Es gibt auch im Bereich Leseeffektivität Spitzenleistungen und Menschen, die den Code bereits geknackt haben. Eine gute Technik und ein paar gezielte Übungen können das Lesetempo bereits deutlich steigern.

Trainer, Redner und Autor Zach Davis, dessen Buch PoweReading ® gerade in zweiter Auflage erschienen ist, gilt als Deutschlands Lesetrainer Nr. 1. Zu seinen Seminaren kommen primär Spezialisten und Manager, die unter der Last der Informationsflut einen Ausweg suchen. Schafft man mit diesem Schritt-für-Schritt-System ein dickes Buch in fünf Minuten? Nein, aber eine Studie mit 1378 Teilnehmern zeigt, dass gewöhnliche Menschen Ihr Lesetempo mit PoweReading® im Durchschnitt um 124,5 % erhöhen – bei 4 % höherem Textverständnis.

Hier sind die ersten zwei Schritte dieses Systems

Augenführung

Das menschliche Auge ist nicht darauf ausgerichtet, orientierungslos über die Zeilen eines Textes zu wandern. Wenn Sie bspw. versuchen, mit den Augen in der Luft Kreis zu zeichnen, dann wird dies nicht gelingen. Das Auge springt unkontrolliert und die Kreisform erinnert an die Zeichnung eines Kleinkindes. Dasselbe passiert beim Lesen: Das Auge macht Sprünge in verschiedene Richtungen, vor allem zurück – unweigerlich und ohne dass Sie es willentlich verhindern können. Dies kostet wertvolle Zeit. Wenn Sie hingegen mit einem Stift oder dem Finger einen Kreis zeichnen und diesen mit den Augen verfolgen, dann gelingt dies wesentlich kontrollierter. Wenn Sie beim Lesen das Auge ebenso führen, indem Sie eine Lesehilfe (Stift oder Finger) über die Zeilen führen, vermeiden Sie die zeitraubenden unkontrol-lierten Sprünge. Nebenbei erhöht es Ihre Konzentration. Machen Sie dies bei der Suche nach einem Namen auf einer Liste nicht intuitiv? Das wurde in der Schule (anders als beim sonstigen Lesen) nicht untersagt …

Peripheres Sehvermögen nutzen

Das periphere Sehvermögen kann vollständiger genutzt werden! Sie kön-nen mehrere Wörter mit einem Blick, also innerhalb einer Blickspanne, erfassen. Diese Blickspanne beträgt meistens zwischen 3 und 5 cm – übrigens bei Frauen durchschnittlich etwas breiter als bei Männern. Dies erklären Evolutionsbiologen durch die geschlechtsspezifischen Anforderungen in der Jagd- und Nestzeit. Wie nutzt man die Blickspanne beim Lesen? Wenn Sie, wie die meisten Menschen, beim Lesen mit dem ersten Buchstaben der Zeile beginnen und Ihr Auge bis zum Zeilenende wandern lassen, dann verschenken Sie gleich doppelt die eine Hälfte Ihrer Blickspanne – und das Zeile für Zeile. Die Schlussfolgerung liegt nahe: Sparen Sie beim Führen der Augen 1-2 cm im Randbereich ein. Sie sind damit deutlich schneller: Mit ein wenig Übung völlig ohne einen Verständnisverlust.

Häufig gestellte Fragen

Kann wirklich jeder doppelt so schnell lesen und trotzdem einen Text voll verstehen?

Das menschliche Gehirn ist locker in der Lage, Wörter in einer Geschwindigkeit von 800 Wörtern pro Minute zu verarbeiten. Wenn der Durchschnittsleser seine Geschwindigkeit von beispielsweise 200 WPM auf 400 WPM steigert, dann ist dies weit davon entfernt, das Gehirn zu überfordern. Vergleichen Sie es mit dem Hochsprung: Wenn Sie unter einer Latte auf 2,40m Höhe stehen, dann er-scheint es unmöglich, dass ein Mensch diese überspringen kann. Nicht jeder wird dies schaffen, aber jeder ambitionierte Hobbysportler wird mit einer guten Technik und wirksamen Übungen ein sehr gutes Niveau erreichen.

Welche Voraussetzungen muss man als „PoweReader“ mitbringen?

Sie müssen einen IQ von über 140 haben und ein fotografisches Gedächtnis besitzen. Nein, im Ernst: Dieses System ist darauf ausgelegt, dass man eine Grundfähigkeit in Sachen Lesen mitbringt. Wir haben auf den Seminaren Teil-nehmer, die vom Neuntklässler bis zum Top-Manager reichen. Wir hatten sogar mal einen Top-Manager, der so schnell gelesen hat wie ein Viertklässler. An-schließend hat er auf Abiturniveau gelesen – mit etwa einer Verdreifachung des Tempos und höherem Verständnis.

Wie lange braucht es, um die eigene Lesegeschwindigkeit etwa zu verdoppeln?

Im Durchschnitt etwa einen Tag – manchmal bringen gleich die ersten schnellen Tipps und Übungen einen erheblichen Fortschritt. Manchmal ist auch ein längeres, ausgefeilteres Training notwendig. Dies hängt unter anderem von der Ausgangsgeschwindigkeit ab. Den einmal erreichten Stand kann man relativ leicht halten, wenn man einfach nur das Erlernte in seinem „Lesealltag“ anwendet – das allerdings ist die Bedingung für eine Nachhaltigkeit.

Wie kann man sonst noch seine Leseeffektivität erhöhen?

Neben den oben geschilderten Grundlagen macht es Sinn, sich Zielfragen zu stellen. Wenn Sie sich eine Frage stellen, dann hat Ihr Gehirn die natürliche Bestrebung, Antworten hierauf zu suchen – ähnlich wie wenn ich Sie frage, was in Ihrer Umgebung die Farbe blau hat: Sie nehmen primär Blaues wahr. Frage wie „was ist wichtig?“ oder „was ist für mich relevant“ sind besonders effektiv. Darüber hinaus macht es Sinn, regelmäßig schneller zu lesen als man eigentlich lesen kann. Durch einen solchen „Trainingsreiz“ machen Sie Fortschritte.

Was ist der Effekt des Augenführens?

Das Augenführen verhindert unkontrollierte Sprünge in alle Richtungen, vor allem aber nach hinten. Das kostet Zeit und Untersuchungen zeigen, dass diese unkontrollierten Sprünge das Textverständnis nicht erhöhen. Sie schaden auch dem Textverständnis meistens nicht, aber sie kosten Zeit – Zeile für Zeile und Seite für Seite. Und wer hat davon schon zuviel?

Gastautor: Zach Davis (EffektiverMitSystem.com)

 

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