Wie man sich auf eine größere Prüfung vorbereiten kann

Einige meiner 13er-Schüler aus dem Neigungskurs Geographie (4-std., Wahlpflichtbereich) haben sich vorgenommen, die Herbstferien zu nutzen und schon mal den Lernstoff für das Abitur (im April) zu strukturieren und zu bearbeiten. (An dieser Stelle ein großes Lob für die Voraussicht und die aufgebrachte Motivation!)

Gestern konnte ich dann auf der Facebook-Pinnwand einer Schülerin lesen, dass sie „versucht, Erdkunde zu lernen, aber nicht weiß, wo sie anfangen soll“. Das ist verständlich, denn wenn man bisher nur Inhalte im Umfang einer typischen Klassenarbeit gelernt hat, ist es schwierig, eine so große Menge Themen zu strukturieren und zu bearbeiten, wie sie sich aus (bisher verstrichenen) zwei Halbjahren Kursstufe ergeben.

In diesem Beitrag will ich versuchen, ein Vorgehen zu skizzieren, wie es für mich persönlich sinnvoll und effektiv ist. Einige der genannten Aspekte habe ich so bereits beim Lernen auf die Zwischenprüfung im Studium oder beim Examen angewandt, andere haben sich erst im Beruf ergeben (und sind daher noch nicht in einer „großen“ Prüfung wie dem Abitur erprobt, sondern nur in kleinerem inhaltlichem Rahmen).

Ich gehe hier davon aus, dass man es mit Inhalten wie z.B. in Geographie, Biologie oder Geschichte zu tun hat, die man zunächst faktenbasiert lernen muss, bevor man sie in verschiedenen Aufgabenformen wiedergeben, erklären, bewerten und anwenden muss. Das beschriebene Vorgehen ist damit wohl nicht eins zu eins auf Sprachen übertragbar, wo es mehr um das regelmäßige Üben und dann in der Prüfung um eine sprachliche Analyse- und Kreativleistung geht.

Wenn (idealerweise) einige Monate vor der Prüfung die direkte Vorbereitung beginnt, geht man sinnvollerweise folgendermaßen vor:


(1) Stoff strukturieren

  • Prüfungsthemen herausschreiben, um einen Überblick der Anforderungen zu bekommen
  • Material zu den Prüfungsthemen im Heft und Buch (ggf. auch aus anderen Quellen) sichten, ggf. Hefteinträge ordnen und vervollständigen
  • Prüfungsmaterialien überblicksartig sichten, um sich damit grob vertraut zu machen

(2) Planung erstellen

  • Anzahl und Umfang der Themen feststellen
  • Anzahl und Umfang der verfügbaren Lernwochen (und verfügbare Zeit pro Woche) feststellen
  • Plan erstellen, welches Pensum pro Zeiteinheit zu bearbeiten ist, dabei ausreichend Erholungsphasen (Sport, Weggehen, Faulenzen etc.) einplanen und auch Zeiten berücksichtigen, in denen man besonders intensiv arbeiten kann (z.B. Ferien vor der Prüfung).

(3) Inhalte erarbeiten, reflektieren und diskutieren

  • Aus den Prüfungsthemen als erstes eines auswählen, das vom Umfang her überschaubar und inhaltlich für einen selbst besonders zugänglich ist (das macht den Einstieg leichter und schafft bald ein erstes Erfolgserlebnis)
  • Pro Lernsitzung konkrete Themen vornehmen und diese nach Abschluss deutlich abhaken1. (Das Abhaken ist wichtig, um ein Gefühl dafür zu bekommen, dass man etwas geschafft hat. Die inhaltliche Zielsetzung trägt ebenfalls dazu bei. Wenn man sich vornimmt, „mal 3 Stunden zu lernen“, ist nicht unbedingt klar, ob man in dieser Zeit tatsächlich etwas Sinnvolles erarbeitet hat.)
  • Idealerweise in regelmäßigen Abständen ein Lerntagebuch führen, in dem der eigene Lernfortschritt reflektiert wird. Wie man das angehen kann, erklärt dieser Beitrag von Ralf Appelt: Dinge die man in sein Lerntagebuch schreiben kann (dort auch die Kommentare beachten).
    Das Führen eines Lerntagebuchs nimmt natürlich Zeit in Anspruch. Es lohnt sich dann, wenn der zu erarbeitende Stoff inhaltlich sehr komplex ist und man Schwierigkeiten mit dem Verständnis hat. Bei weniger anspruchsvollen Themen ist es wohl nicht nötig und kostet nur unnötig Zeit2.
  • Wenn man sich nicht für ein Lerntagebuch entscheidet, können die von Ralf Appelt vorgeschlagenen Leitfragen dennoch sinnvoll für die eigene Reflexion und Selbstüberprüfung sein.
  • Nachdem ein größerer Abschnitt bearbeitet ist, bietet sich eine Lerngruppe zur Reflexion und Diskussion der Inhalte an. Auch hierbei können die für das Lerntagebuch gedachten Leitfragen wertvolle Gesprächseinstiege sein. Bei einer Lerngruppen gibt es einiges zu beachten:
    • Die Mitglieder sollten wohlausgewählt sein, damit wirklich alle motiviert und zuverlässig arbeiten. Ist das bei Einzelnen nicht der Fall, hat man meiner Erfahrung nach mehr Ärger als Nutzen. Man sollte unzuverlässige Mitlerner daher lieber offen ansprechen und die Lerngruppe umstrukturieren.
    • Eine Lerngruppe bringt dann einen Nutzen, wenn für eine Sitzung alle das abgesprochene Pensum vorher erarbeitet haben, so dass man sich über die Inhalte austauschen kann. Das Lernen selbst muss meines Erachtens einzeln erfolgen.
    • Es kann sinnvoll sein, dass bei jeder Lernsitzung ein anderer Teilnehmer der Gruppe die „Gesprächsleitung“ übernimmt bzw. die Inhalte zunächst referiert. Wer spricht, muss Inhalte konkret machen und liefert so klare Ansatzpunkte für Rückfragen.
  • Oft wird man in der Situation sein, dass man einzelne „frühere“ Themen lernt während im „Tagesgeschäft“ neue Prüfungsinhalte dazu kommen. Hier macht es Sinn, bei der Planung bereits vorzusehen, dass man die jeweils aktuellen Inhalte entsprechend nach dem Unterricht nachbereiten kann, so dass man sie angemessen „mitlernt“.

(4) Wiederholen

  • Die Zeitplanung so gestalten, dass man einige Zeit vor der Prüfung mit allen Themen durch ist, so dass eine (schnellere) Wiederholungsphase möglich ist.

Diese Aufstellung stellt eine Möglichkeit dar, wie man sich auf eine größere Prüfung vorbereiten kann. Natürlich sind unzählige andere Wege denkbar. Ich würde mich freuen, wenn wir in den Kommentaren weitere Tipps und Erfahrungen sammeln könnten.


Fußnoten

1 WIE man sich die Inhalte erarbeitet (lesen, zusammenfassen, unterstreichen etc.) soll hier nicht thematisiert werden. Hier sind mir die Lernstile zu unterschiedlich als dass ich mir zutrauen würde, in einem knappen Blog-Beitrag einen Überblick oder Tipps zu geben.

2 Ich muss zugeben, dass ich selbst bisher nie ein wirkliches Lerntagebuch geschrieben habe. Erst jetzt – in einer einjährigen Weiterbildung, die ich gerade absolviere – kommen zwei Situationen zusammen, die mich evtl. dazu bewegen könnten: (1) die Inhalte sind sehr interessant, anspruchsvoll und umfangreich und (2) habe ich inzwischen ausgiebige Schreiberfahrung durch meine Blogs und dabei auch die Freude am Schreiben entdeckt. Dennoch halte ich die schriftliche Reflexion für sinnvoll: ich habe sie aber selbst erst im Erwachsenenalter für mich entdeckt und daher noch wenig Erfahrung damit.

 

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