Mit Computern macht Lernen immer Spaß – oder?

In Brandenburg startet ein Projekt, das virtuelle MINT Leistungskurse anbietet. Schüler können einen Leistungskurs in einem MINT-Fach (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) belegen, auch wenn die Zahl der Interessenten an ihrer Schule zu klein ist, diesen Kurs vor Ort im regulären Unterricht anzubieten. Der Unterricht findet stattdessen via Moodle statt.

Das klingt nach einem vernünftigen Konzept in einer Region, wo die Schülerzahlen zurück gehen und daher das Spektrum der angebotenen Leistungskurse enger wird.

An einer Stelle des Pressemeldung taucht aber wieder ein altes Märchen auf:

Das Projekt vMK holt die Schüler/innen in denjenigen (onlinebasierten) Kommunikationsformaten ab, die heutzutage nicht nur das Hauptinstrument bei jeglicher Form der Informationssuche, sondern auch eine wesentliche Plattform für die Freizeitgestaltung (z.B. Facebook, SchülerVZ, Chatrooms, Spiele) darstellen. Onlinebasierte Unterrichtsformen an Schulen können daher auch dazu beitragen, das Interesse für MINT– Fächer zu steigern, wenn die Lernumgebung entsprechend attraktiv gestaltet wird und somit die MINT– Fächer einen Image-Gewinn erfahren. (Quelle, meine Hervorherbung).

Das halte ich für einen Trugschluss. Mathe oder Chemie werden nicht dadurch attraktiver, dass der Unterricht über das Netz stattfindet. Schüler wissen sehr wohl zu unterscheiden zwischen einem Angebot im Netz, das sie aus Spaß nutzen (ICQ, Facebook etc.) und einem, das auch online anstrengend und mit Arbeit verbunden ist.

Wer einen solchen LK belegen möchte, weil ihm das Fach Spaß macht, ist mit diesem Konzept gut bedient. Insofern ist das ein vorbildlicher Einsatz von E-Learning, wo Präsenzlernen schwierig oder unmöglich wäre.

Wer sich aber nicht für eines der MINT-Fächer interessiert, wird es sicherlich nicht deshalb wählen, weil die „Lernumgebung attraktiv gestaltet“ ist.

Hier wird meines Erachtens die „gefühlte“ Attraktivität des Mediums für die Faszination der Inhalte des Faches substituiert. Das taugt allenfalls für ein kurzes Strohfeuer von Anfangsinteresse, bis dann nach wenigen Sitzungen die Nutzung der Online-Plattform Alltag geworden ist und die inhaltliche Arbeit dominiert. Wenn die dann keine Freude macht, hilft auch Moodle nicht weiter.

Gefunden bei TeachersNews.

 

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