5 Fragen über die Schule

Melanie Unbekannt hat in ihrem Blog eine Aktion gestartet und zum Mitmachen angeregt. Sie stellt fünf Fragen über die Schule und erbittet persönliche Antworten. Da mache ich gerne mit – zumal man auch etwas gewinnen kann.


Woran erinnerst Du Dich, wenn Du an Deine Schulzeit zurückdenkst?

An das Gebäude, die Gesichter, einzelne Unterrichtssituationen – allerdings eher nicht aus inhaltlichen, sondern aus zwischenmenschlichen Gründen.

Ich erinnere mich sehr lebendig an meinen Latein-Leistungskurs, weil wir einen in jeder Hinsicht vorbildlichen und motivierenden Lehrer hatten (Herr Hauser). Er war immer Gentleman, höflich, respektvoll, auch damals, kurz vor dem Pensionsalter, interessiert an uns und unserem Alltag, dabei völlig selbstverständlich überzeugt und begeistert von seinem Fach, hochkompetent und dennoch immer verständnisvoll und nie sauer, wenn wir auch in der Dreizehn noch grundlegende Grammatik-Inhalte aus der Unterstufe nicht beherrschten.

An ihn denke ich auch heute noch oft in meinem Berufsalltag – ich habe großen Respekt vor ihm und seiner Art zu unterrichten. Er ist mir in vielem ein Vorbild, dem ich als Lehrer versuche nachzueifern.

Außerdem denke ich an die Inhalte dieses Latein-LKs. Sie waren in keiner Weise direkt „nützlich“ für meinen Beruf. Wir haben uns mit der stoischen Philosophie von Seneca und mit Ciceros politischen und philosophischen Reden und Briefen auseinandergesetzt. Nichts davon kam je wieder in meiner Ausbildung vor. Dennoch war die Auseinandersetzung mit diesen Inhalten für mich persönlich enorm wertvoll. Vor allem Senecas Streben nach Gleichmut und Weisheit hat mich sehr beeindruckt und positiv beeinflusst.

Welche Medien hast Du im Unterricht kennengelernt und auch selbst genutzt?

Hauptsächlich die hergebrachten Medien Tafel, Heft, Lehrbuch und Kopien, regelmäßig auch noch die per Matrize hergestellten Arbeitsblätter, deren Schriftbild violett, deren Papier gelblich-vergilbt und deren Geruch alkoholisch war. Ich meine mich zu erinnern, dass ich die in der Oberstufe weniger oder gar nicht mehr gesehen habe.

Overheadprojektoren gab es in jedem Klassenzimmer, allerdings wurden sie – wenn ich das richtig erinnere – nicht sehr häufig benutzt.

Außerdem gab es regelmäßig Filme, meist von der 16 mm Rolle. Je nach technischem Geschick des Lehrers entweder souverän eingelegt und abgespielt oder mit einem „didaktischen“ Leerlauf von 2 bis n Minuten, in denen man sich unterhalten konnte, bis der Film dann losging. VHS Video gab es auch, aber dazu mussten wir – glaube ich – in einen bestimmten Raum wechseln, in dem ein Fernseher mit Videorekorder stand.

Es gab einen Computerraum mit geschätzten 5 – 10 Rechnern, der aber nicht allgemein benutzt wurde, sondern für die Informatik reserviert war.

Tafel, Heft und Buch waren bei Weitem die vorherrschenden Medien.

Welche Möglichkeiten siehst Du, die Lehrerausbildung zu verbessern?

Da könnte man einerseits Einiges schreiben, andererseits finde ich viele Elemente der Lehrerausbildung (in Baden-Württemberg – nur hier kenne ich sie) sinnvoll und gut. Daher greife ich je ein Beispiel heraus.

Positives Beispiel: früh in die Schule

Ich Baden-Württemberg gibt es seit einiger Zeit ein Praxissemester, das Lehramtsstudenten absolvieren müssen. Sie kommen als Praktikanten in die Schule, hospitieren und können auch unterrichten. Wenn ich das richtig weiß, muss das vor dem 6. Semester stattfinden. Das finde ich eine erhebliche Verbesserung zu der Studienordnung, die bei mir noch galt. Damals (was auch noch nicht sehr lange her ist) war der erste unumgängliche Kontakt mit der Schule das Referendariat – was meines Erachtens viel zu spät ist. Insofern würde ich den möglichst frühen Kontakt zur Schule und den Schülern als wichtiges Element der Lehrerausbildung nennen.

Verbesserungswürdig: realistischere Erwartungen

Ein großer Kritikpunkt in meinem Referendariat waren für mich Fachleiter, die unrealistische Erwartungen nicht nur tolerierten, sondern geradezu schürten. Das System der Unterrichtsbesuche fördert die Kultur von Showstunden, in die man als Referendar überproportional viel Zeit investiert, die aber mit dem Alltag als Lehrer nichts zu tun haben. Ich halte es für sinnvoll, dass man im Referendariat lernt, wie eine „ideale“ Stunde aussehen könnte – aber man muss auch immer wieder darauf hingewiesen werden, dass man eine solche Stunde mit vollem Deputat unter Alltagsbedingungen nur hin und wieder schaffen wird.

Wenn diese „Erdung“ auf realistische Erwartungen nicht immer wieder stattfindet, legt man in vielen künftigen Lehrern den Burn-Out schon in der Ausbildung an. Denn im Alltag wird man dadurch ständig ein schlechtes Gewissen haben, weil diese „normale“ Stunde, die man gerade gehalten hat, ja „noch viel besser hätte sein können“, wenn man anstatt fünfundzwanzig Minuten dreieinhalb Stunden für die Vorbereitung aufgewandt hätte.

Was hältst Du davon, Blogs, Wikis, Podcasts etc. im Unterricht einzusetzen?

Viel. Ich versuche das regelmäßig zu tun, aber nicht, weil das „neue“ Medien sind, sondern weil es Alltagsmedien sind. Alle Medien und „Kanäle“, die im Alltag vorkommen und vorhanden sind, und die sich für die Erarbeitung von Wissen eignen, sollten meines Erachtens in der Lehre zum Einsatz kommen.

Können Online-Angebote die herkömmliche Nachhilfe sinnvoll ergänzen oder sogar ersetzen?

Das kommt meines Erachtens sehr darauf an, aus welchem Grund Nachhilfe nötig ist.

Wenn ein Schüler aus Faulheit ein paar Monate geschludert hat und nun selbst erkennt, dass er nacharbeiten muss. Wenn er außerdem wirklich selbst nachholen möchte, dann kann ein Online-Angebot genau das Richtige sein, weil dann eine ausreichende Motivation und entsprechende intellektuelle Fähigkeiten vorhanden sind, eigenständig zu lernen.

Wenn aber ein Schüler mit dem Unterrichtstempo nicht mithalten kann oder Probleme mit dem grundlegenden Verständnis der Inhalte hat, wird ein Online-Angebot wahrscheinlich eher überfordern, weil der Nutzer sich typischerweise selbst strukturieren und motivieren muss. In diesem Fall ist wohl eine persönliche Nachhilfe besser, weil der Schüler mit einem Menschen interagieren kann, der eine Struktur vorschlagen und zum Weitermachen motivieren kann.

Generell kann ich mir nicht sehr viele Situationen vorstellen, in denen ein Online-Angebot persönliche Nachhilfe ersetzen könnte – ergänzen dagegen schon.

 

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