Klimawandel, Opfer und Konflikte

In Warschau findet mal wieder eine Klimawandel-Konferenz statt. Was dabei an konkretem politischem Handeln herauskommen wird, ist fraglich. Die Probleme sind seit Jahren bekannt und eklatant, zu entschiedenen Maßnahmen hat das bisher nicht geführt. Im Gegenteil: die Emissionen steigen weiter an.

Der Taifun Haiyan hat mit unvorstellbarer Kraft auf den Philippinen gewütet. Über den Zusammenhang zwischen solchen Extremereignissen und dem Klimawandel berichtet Stefan Rahmstorf: Werden Tropenstürme schlimmer? +Updates. Und die SZ erklärt in einfachen Worten die Zusammenhänge zwischen Stürmen und dem Ausmaß der Schäden, die sie anrichten: Ein Klima für Stürme.

Außerdem berichtet Stefan Rahmstorf, dass eine neue Studie die bislang rätselhafte »Erwärmungspause« des Weltklimas näher beleuchten könnte: Erwärmung unterschätzt. Demnach hätten fehlende Daten die Erwärmung geringer erscheinen lassen als sie tatsächlich war. In dem Artikel wird auch wieder deutlich, dass gerade in den USA immer noch eine mächtige Lobby daran arbeitet, die Öffentlichkeit über die realen Ursachen und Konsequenzen des Klimawandels falsch zu informieren:

Eine Medienanalyse hat gezeigt, dass zumindest in den USA rund die Hälfte aller Berichte zum neuen IPCC-Bericht das Thema »Erwärmungspause« aufgegriffen haben, obwohl es in den Aussagen des IPCC eine völlig untergeordnete Rolle spielt.

Stefan Rahmstorf: Erwärmung unterschätzt

Schließlich wird inzwischen auch klar, dass der Klimawandel nicht nur die Gefahr von und die Schäden durch Naturkatastropen erhöht, sondern dass auch überall auf der Welt Konflikte um die sich verlagernden oder knapper werdenden Ressourcen (z.B. Trinkwasser, ackerbaulich nutzbarer Boden) aufkeimen.

Hierzu hat Claus Kleber eine hervorragende Dokumentation gedreht, die schon vor zwei Jahren im ZDF gesendet wurde. Darin sind viele Bilder und Erkenntnise enthalten, die mir vorher nicht bekannt waren und die nichts Gutes ahnen lassen.

So hat Indien zum Beispiel an der Grenze zu Bangladesh einen 3000 km langen militärisch bewachten Zaun errichtet, um die Bevölkerung von Bangladesh daran zu hindern, nach Indien zu fliehen, sollte der Migrationsdruck durch Überschwemmungen auf der einen und steigendes Meerwasser auf der anderen Seite zu groß werden. Auch in den Bergen des Himalaya rüsten die Nachbarn China, Indien und Pakistan auf, um die in den schrumpfenden Gletschern gebundenen Wasserreserven notfalls militärisch zu verteidigen.

Und Bilder aus Lima zeigen, wie diese 9-Millionen-Stadt ebenfalls von der langsam versiegenden Wasserquelle seiner Andenflüsse bedroht wird und die Polizei sich darauf einstellt, mit bürgerkrigsähnlichen Zuständen umzugehen, sollte das Wasser nicht mehr für alle reichen.

Man kann die Dokumentation »Machtfaktor Erde« (in der noch viele weitere Beispiele und Regionen zur Sprache kommen) in einzelnen Episoden online anschauen (glücklicherweise wurde das Material bisher nicht depubliziert).

Der Economist zitiert eine Studie von Hsiang et al. in Science, die zu einem eindeutigen Ergebnis kommt: Cloudy with a chance of war.

The results leave no room for doubt: higher temperatures and more extreme rainfall patterns (leading to drought or flood) really do coincide with an increased frequency of conflict for all types of violence. […]

Precisely how the chain of causation works remains unclear for now. But this should not obscure the fact that it does.

The Economist: Cloudy with a chance of war

[UPDATE 14.11.2013] Dieser Artikel bei SPIEGEL-Online berichtet von deutlicher Kritik der Fachkollegen an der im Economist zitierten Studie.

Das IPCC findet in seiner Summary for Policy Makers ebenfalls eindeutige Worte:

Warming of the climate system is unequivocal, and since the 1950s, many of the observed changes are unprecedented over decades to millennia. The atmosphere and ocean have warmed, the amounts of snow and ice have diminished, sea level has risen, and the concentrations of greenhouse gases have increased.

IPCC: Climate Change 2013. The Physical Science Basis. Summary for Policymakers. S. 2

Und später …

Human influence on the climate system is clear. This is evident from the increasing greenhouse gas concentrations in the atmosphere, positive radiative forcing, observed warming, and understanding of the climate system.

IPCC: Climate Change 2013. The Physical Science Basis. Summary for Policymakers. S. 13

Bleibt zu hoffen, dass die emotionalen Appelle des philippinischen Vertreters in Warschau nicht ohne politische Folgen bleiben.

 

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