#COP21 (6/12) Welche selten diskutierten Maßnahmen oder Konzepte sind einen Blick wert?

Es gibt viele mögliche Maßnahmen gegen den anthropogenen Klimawandel. Da das Problem aber komplex ist, erscheint es in der öffentlichen Diskussion meist nur in Form von einzelnen „Happen“, welche die jeweiligen Autoren für ihre Leser oder Zuschauer für verdaulich halten. Es gibt daher Maßnahmen, Konzepte oder Sichtweisen, von denen man selten hört, die aber dennoch bedenkenswert sind – sei es, um das Problem möglichst großflächig zu verstehen oder um zumindest alle Optionen zu kennen.

Einige dieser Maßnahmen sind eine globale CO2-Steuer und das Divestment aus fossilen Energieträgern.

CO2-Steuer – und alternative Ansätze

Der Artikel Second-best solutions im hervorragenden Special Report „Climate Change“ des Economist formuliert es so:

ECONOMISTS LIKE TO argue, about climate change as much as anything else. […] But on the biggest issue of all they nod in agreement, whatever their political persuasion. The best way to tackle climate change, they insist, is through a global carbon tax. (Quelle)

Der Artikel erläutert die Vor- und Nachteile einer solchen Steuer und sagt klar, dass eine solche Maßnahmen natürlich wenig populär wäre:

New levies are never popular. Even if governments promised to cut other taxes, so that a carbon tax would be fiscally neutral, they would make enemies. It is a sound rule of politics that the winners from any reform are less delighted than the losers are angry. And no government could guarantee that carbon-dioxide emissions would fall by a specific amount. A carbon tax represents certain pain for uncertain gain. (Quelle)

Entsprechend werden dieser Idee wenige Chancen in Paris eingeräumt:

A global carbon tax—or even one involving many countries—is likely to remain an economic theory for a long time. Certainly, nothing of the sort will be seriously discussed in Paris. Even so, there are three perfectly good things everybody could be getting on with right away. (Quelle)

Die im weiteren Verlauf aufgezeigten Alternativen enthalten interessante Einblicke:

  1. Die Zusagen der einzelnen Staaten, wie stark sie ihre Emissionen kürzen wollen, sollten vereinheitlicht werden. Denn jedes Land sucht sich das Referenzjahr, gegenüber dem es kürzen möchte, selbst aus. Und natürlich werden immer die Jahre als Referenz ausgesucht, in denen sehr viel CO2 emittiert wurde, damit die Reduzierung besonders umfangreich erscheint. 
  2. Man sollte sich nicht so stark auf CO2 einengen, sondern auch andere Gase und Aerosole in den Fokus nehmen. Methan, Chlorfluorkohlenwasserstoffe und Ruß seien möglicherweise einfacher zu reduzieren und wirkten zwar gegenüber CO2 weniger stark, dafür aber potentiell schneller aus. 
  3. Technologische Innovationen sollten nicht vernachlässigt werden. Dahinter steht die Idee, dass es sinnvoll sei, eine große Anzahl potentieller Lösungen zu erforschen, weil viele kleine Beiträge womöglich realistischer umzusetzen sind als wenige große. 

Divestment aus fossilen Energien

Changes in the atmospheric level of carbon dioxide, the biggest contributor to global warming, persist for centuries. So it is useful to imagine that mankind has a fixed carbon budget to burn through. Pierre Friedlingstein, a climatologist at Exeter University, calculates that if temperature rises are to be kept below 2°C, the world can probably emit about 3,200 gigatonnes of carbon dioxide in total. The tally so far is 2,000 gigatonnes. If annual emissions remain at present levels, the budget will be exhausted in just 30 years’ time. (Quelle)

Wenn man davon ausgeht, dass wir ein relativ fixes „CO2-Konto“ haben, das wir emittieren können, bevor die Klimaerwärmung bedrohliche Ausmaße annimmt, folgt daraus ein recht simpler Gedanke, der allerdings bis vor Kurzem kaum öffentlich zu hören war: Ein Großteil der heute schon bekannten Reserven an fossilen Energieträgern müssen ungenutzt im Boden bleiben, weil ihre Förderung und Verbrennung unweigerlich dazu führen würde, dass wir das CO2-Konto „überziehen“.

Der britische Guardian hat aus dieser Erkenntnis den ungewöhnlichen Schritt abgeleitet, als Zeitung eine Kampagne zu starten mit dem Ziel, Geld aus der fossilen Energiebranche abzuziehen, so dass die Reserven der betreffenden Firmen an Wert verlieren und ihre Förderung damit unwirtschaftlich wird.

Die Kampange heißt „Keep it in the Ground“ und ist inzwischen in der zweiten Phase. Während die erste Phase versuchte, große Investoren dazu zu bewegen, ihre Gelder aus den fossilen Industrien abzuziehen, geht es in der zweiten Phase darum, positive Beispiele für den Einsatz erneuerbarer Energien zu zeigen und zu bewerben.

So eine Zeitungskampange kann man natürlich kritisch sehen, daher lohnt sich ein näherer Blick, z.B. mit folgenden Materialien:

Auch interessant ist ein Podcast, welche die Entwicklung der Kampange dokumentiert und sehr interessante Einblicke bereithält: The biggest story in the world.


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